Wuppertaler Kultur: Tanzrauschen sucht Filmbeiträge für sein Dancescreen-Festival

Wuppertaler Kultur : Tanzrauschen sucht Filmbeiträge für sein Dancescreen-Festival

Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 10. Juni. Partizipatives Projekt mit Jo Parkes im August.

Wuppertal und innovativer Tanz gehören seit Pina Bausch bekanntlich zusammen. Weniger bekannt ist, dass sich auch viele Menschen in der Stadt mit dem Genre Tanzfilm beschäftigen. Die Kommunikationsdesignerin Kerstin Hamburg will das ändern. Sie ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Tanzrauschen, der von der Kombination von Tanz, Choreographie, Film und modernen Medien fasziniert ist. Den Tanzfilm bekannt(er) machen will. Dafür veranstaltet er zusammen mit dem International Music + Media Centre Wien (IMZ) in diesem Jahr das „dancescreen 2019 + Tanzrauschen“-Festival. Gerade läuft die Bewerbungsphase.

Noch bis zum 10. Juni können die Arbeiten (bzw. die Links dazu) bei dancescreen.com eingereicht werden. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 600 Filmen in den Kategorien, Documentary-, Animation-, Live performance relay and camera re-work- oder Screen choreography. Letztere beschäftigen sich nicht mit Aufführungen, sondern setzen extra für die Kamera aufgenommene fiktive Tänze in Szene, die weniger als fünf Minuten, fünf bis 15 Minuten oder mehr als 15 Minuten lang sein dürfen.

Eine Chance für die
Szene in Wuppertal

Anliegen des 1961 unter der Schirmherrschaft der Unesco gegründeten IMZ ist die Professionalisierung der Szene. „Das Festival ist eine Chance für die Szene in Wuppertal und Nordrhein-Westfalen, sich zu professionalisieren“, greift Kerstin Hamburg das Angebot auf. Sie will gezielt die Universitäten und Fachhochschulen in NRW zum Mitmachen animieren – Aufrufe im Netz sollen folgen. „Wir sprechen eine breite Zielgruppe an – das kann ein Regisseur sein, der mit einem Tänzer arbeitet, ein Kameramann, der mit einem Chroeographen zusammenkommt oder ein Tänzer mit einem Produzenten.“

Im Juni beginnt die Hauptarbeit, müssen die Filme gesichtet und schlichtweg angeschaut werden. Mit Hilfe eines Bewertungskatalogs filtern IMZ und Tanzrauschen so jeweils 50 Filme heraus, aus denen dann gemeinsam die Top 50 ausgewählt werden. Diese werden schließlich während des Festivals vom 21. bis 24. November im Rex-Filmtheater Kipdorf gezeigt. Eine fünfköpfige, international aus Tanz- und Filmexperten besetzte Jury, die im Moment noch zusammengestellt wird, ermittelt dort drei Preisträger: des bestens Films, des besten Studierendenfilms und, erstmals, des besten social movie.

Hier wird ein Film ausgezeichnet, der von Profis und Laien erstellt wurde, erklärt Hamburg. Zum Beispiel eine Dokumentation über ein Team, das mit beeinträchtigten Menschen tänzerisch aktiv ist. Im Moment suchen IMZ und Tanzrauschen die Sponsoren für die Auszeichnungen.

Ein Festival-Filmbeitrag steht derzeit schon fest, auch wenn er erst im Sommer entstehen soll. Unter dem Titel „My move, my place“ werden zwölf Jugendliche bis 18 Jahre und zwölf Erwachsene, die keinerlei Tanzerfahrung mitbringen müssen, an einem partizipativen, vom Verband Chance Tanz geförderten Tanzfilmprojekt von Tanzrauschen in der Börse an der Wolkenburg teilnehmen. Hamburg: „Es geht dabei darum, dass verschiedene Generationen sich gegenseitig Orte in Wuppertal zeigen und dazu dialogische Choreographien entwickeln.“

Vom 7. bis 20. August (in den Schulferien) werden zunächst die Geschichten entwickelt, dann gedreht und schließlich ein Film daraus montiert, der beim Festival Premiere feiert. Die künstlerische Leitung des Projekts hat die Tanz- und Videokünstlerin Jo Parkes, die in diesem Jahr bei der Deutschen Tanzpreisvergabe zu den Ausgezeichneten gehört und mit Tanzrauschen seit 2015 zusammenarbeitet.

Zunächst bei „Documentary Dances“ und 2017 bei der Tanzfilmserie „Letters from Wuppertal“, die seither durch die Festivallandschaft tourt. Wer mitmachen oder sich informieren will, schreibt eine Mail an info@tanzrauschen.de. „Jo Parkes macht mit uns seit 2015 Projekte, sie hat mittlerweile so etwas wie einen Fanclub in Wuppertal“, schwärmt Hamburg.

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