Theater: Tanzabend im Ada findet viel Anklang

Theater : Tanzabend im Ada findet viel Anklang

Drei Kollektive zeigten an der Wiesenstraße gemeinsam das Stück Lebenslinien.

Ein ganzes Leben lässt sich nicht tanzen. Die Herausforderung besteht darin, die roten Fäden der Existenz, die „Lebenslinien“, in Bewegung umzusetzen. Dieses Ziel vereinte die drei Kollektive, die zu einem Tanzabend ins Café Ada einluden. Das gemeinsame Motto „Lebenslinien“ erwies sich als zugkräftig. In wenigen Minuten füllten sich sämtliche Sitzplätze. Rasch wurden weitere Stühle aufgestellt, Sitzkissen auf dem Boden ausgelegt, um allen Neugierigen gerecht zu werden.

Auf Improvisation setzt auch Gugu Shan. 2017 hat sich das Duo – Tänzerin Hsiao-Ting Lee und Schlagzeuger Pablo Liebhaber – zusammengefunden. In ihrer Performance schuf Lee den roten Faden aus dem Moment heraus. Eckig wirkten ihre ersten Schritte. Noch stand jeder für sich. Was ihr gefiel, wiederholte und variierte sie. So wurden aus tastenden Anfängen fließende Linien. Die ganze Zeit hatte Liebhaber seine Partnerin im Blick. In ihre spontane Choreografie ließ er alle ihm zur Verfügung stehenden Sounds – Becken, Trommeln, Rasseln – einfließen. Die Begleitung intensivierte sich zum gleichberechtigten Dialog.

Künstler erinnern an Stummfilmcharaktere

An der Folkwang-Universität kreuzten sich 2015 die Wege von Sophia Otto, Narumi Saso und Emiko Tamura. Als „Three of 3“ griffen sie zu stilvollen Kopfbedeckungen, um ihr Stück zu performen. Mit tief ins Gesicht gezogenen Hüten erinnerten sie an Stummfilmcharaktere. Die rasanten Bewegungsabläufe verstärkten diesen Eindruck noch. Vor allem drehte sich die Handlung aber um die Komplikationen, die eine Dreierkonstellation so mit sich bringt. Wer tanzt allein und wer zu zweit, wer miteinander oder gar gegeneinander? Die Antworten, die das Trio gab, sorgten im Publikum immer wieder für Gelächter.

Zwei Choreografien steuerte Cie Entretemps bei. Kopf der im Sommer gegründeten Formation ist die Pina-Bausch-Tänzerin Bénédicte Billiet. Die jüngere Generation vertreten Sophia Otto von „Three of 3“ und Valentina Morales. Letztere stellte sich mit „Des Himmels Blau“ vor. Ihr Requisit war eine Schutzweste, die sie im Laufe ihres Solos ablegte. Was nicht nur für die Erleichterung stand, die wohl jeder beim Tanzen empfindet. Zwei Jahre nach der Geburt ihres Kindes kehrt Morales auf die Tanzfläche zurück. Ehemann Hugo Cordeau untermalte ihr Solo mit Videoprojektionen.

Für den Generationswechsel fanden Billiet und Otto starke Bilder. Die Jüngere orientierte sich an den Bewegungen der Älteren – zunächst schien das Verhältnis klar. Doch diese Hierarchie löste sich Schritt für Schritt auf. Auch die innigen Umarmungen von Mutter und Tochter waren wechselseitig. Tanz ging in Spiel über, wenn Billiet als Chronistin ihrer Familie auftrat – und zurückging bis zur „Mutter der Mutter deiner Mutter“. Die „Lebenslinien“ nahmen hier konkrete Formen an. So wenn die Tänzerinnen aus einer Ansammlung von Kleidern ein Band knüpften, das sich fast über die gesamte Bühne zog.