Tanz-Fotos treffen in Wuppertal auf abstrakte Bilder

Wuppertal : Tanz-Fotos treffen auf abstrakte Bilder

Die Künstler Peter Ryzek und Günter Krings laden zur Ausstellung „Sommertanz“ ein.

Wenn Schwarz-Weiß-Fotografien auf farbig-abstrakte Bilder treffen, klingt das nach reinem Kontrastprogramm. Bei der Ausstellung „Sommertanz –Sommerleuchten“, der zweiten in Peter Ryzeks Galerie „Wort und Bild“, liegen die Dinge anders. Die Fotos von Günter Krings, die die Pina Bausch-Inszenierungen der 1970er und 1980er Jahre festhalten, sind wie Gemälde sorgfältig durchkomponiert. Und Ryzeks Acrylarbeiten, die neben Krings’ Aufnahmen hängen, haben wie diese Licht, Bewegung und Rhythmus.

Mit seinen Bildern vom Tanztheater Wuppertal ist der 83-jährige Krings ein Pionier. Als er das Ensemble kennenlernte, war es noch lange nicht etabliert. Die künstlerische Qualität fiel ihm direkt ins Auge. „Das war alles neu und aufregend“, erinnerte sich der Fotograf bei der Vernissage. „Ein Knüller!“ Seine Eintrittskarte zu Proben und Aufführungen waren die Preise, die der Autodidakt schon in den 1960er Jahren gewonnen hatte.

Die Atmosphäre von Stücken wie „Blaubart“ und „Komm tanz mit mir“ fängt Krings ein, indem er die Tänzer in voller Aktion vorstellt. Heute bekannte Größen – von Jo Ann Endicott, bis Marlies Alt – sieht man wild die Haare schütteln oder mitten im Sprung. Lange Belichtungszeiten erlauben es, Bewegungsfolgen in einer Szene zu bannen. Ein Gespür hat Krings auch für charakteristische Gesten. In „Two cigarettes in the dark“ agiert Mechthild Großmann fast so lässig, wie sie ihre Zigarette im Mundwinkel hält.

Pina Bausch war von seiner Kunst so beeindruckt, dass sie ihm nicht nur viele Aufnahmen abkaufte. Sie signierte auch ein Porträt, das er von ihr gemacht hatte. Es wurde zu einer Art Vermächtnis, denn sechs Wochen später starb die Choreografin. Krings selbst erinnert an sie mit einer Assemblage – einer jener liebevollen Arrangements von Gegenständen und Materialien, die er in seinem Atelier abfotografiert. Das Großformat „In memory of Pina Bausch“ ist Teil der Ausstellung.

In seinen Bildern zeigt sich Peter Ryzek als Freund des Informel – der von allen Regeln befreiten, ungegenständlichen Malerei, die sich nach 1945 durchsetzte. Bei ihm spielt die Farbe eine Hauptrolle. Wie Sonnen lässt er rote Kreise auf der Leinwand glühen, dunkle und helle Farbflächen einander gegenüberstehen.

Auch der Materialcharakter der Farbe interessiert ihn. Nachdem er mehrere Schichten aufgetragen hat, bearbeitet er sie gern mit dem Spachtel und anderen Werkzeugen. „Da hat man die Möglichkeit, Dinge wieder hervorzuholen“, so der Künstler. Reizvolle Muster entstehen, indem er auf die noch feuchte Farbe Wasser tropfen lässt.

Werke der Künstler
korrespondieren miteinander

Größer noch ist die Dynamik, wenn sich die Farbe von der Bildmitte aus in die Vertikale zieht. Da kann man die abstrakte Fläche durchaus als Figur lesen. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn der Betrachter zur Seite blickt und die Fotos von Günter Krings mit in den Blick nimmt. Auf ihnen lassen sich Tänzerinnen finden, die sich in eine ähnliche Aufwärtsbewegung strecken. So stark korrespondieren die Werke der beiden Künstler miteinander.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. September in der Galerie „Wort und Bild“, Obergrünewalder Straße 13, zu sehen. Geöffnet ist dienstags, donnerstags und freitags 15 bis 18 Uhr.

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