1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Taltontheater: Fünf Frauen, ein Mord und verschiedene Wahrheiten

Taltontheater: Fünf Frauen, ein Mord und verschiedene Wahrheiten

Das Taltontheater macht es spannend. Bei seiner neuen Krimi-Produktion beweist das Wuppertaler Ensemble das richtige Timing.

Wuppertal. Der Kamin lodert täuschend echt samt aufsteigendem Rauch, die Lady steht am bunten Glasfenster und sinniert über den Schneefall. Das Wuppertaler Taltontheater zaubert diesmal ein echtes viktorianisches Landhaus auf die Bühne des Rex-Theaters und schafft mit schwarzer Wandverkleidung, wallenden Reifröcken und Samt-Stühlen mehr Illusion als sonst bei dem kleinen Ensemble üblich.

"Fünf Frauen und ein Mord", heißt der Krimi von Gladys Heppleworth, der durch genaue Personencharakterisierung und einen ordentlichen Schuss Gesellschaftskritik besticht.

Inspector Hollister (Maik Bergmeier) soll herausfinden, ob der Bursche des Hauses bei einem Unglücksfall ums Leben gekommen ist oder ermordet wurde. Er hatte sich bei einem Sturz von der Treppe das Genick gebrochen. Schnell haben Inspektor und Zuschauer gleichermaßen den Eindruck, dass alle etwas vertuschen.

Sehr akzentuiert und von oben herab spricht Lady Heartstone (Sarah Kocherscheidt) mit dem Inspektor und kommandiert nebenher die Dienstboten herum. Ihre Tochter Jane (Inga Schmitz) hingegen nestelt verlegen an ihrem Kleid herum, dann wieder sprudeln verrückte Ideen aus ihrem Mund und sie fegt wie ein Wirbelwind über die Bühne.

Streng und doch irgendwie vernünftig wirkt hingegen die Gesellschafterin Miss Ratow (Nadine Mehler), die alle Schuld auf sich nimmt. Dazu kommen noch die herrische, fies brüllende Haushälterin Mrs. Worthing (Julia Streich) und das kleine, verschüchterte Hausmädchen Ruby. Angela del Vecchio bekommt reichlich Szenenapplaus, wenn sie mit weinerlicher, langgezogener Stimme "Ich mach doch nur, was mir gesagt wird" jammert und mit hängenden Schultern von einer Ecke in die andere huscht.

Regisseur Jens Kalkhorst beweist wieder ein gutes Gefühl für Timing und Körpersprache. Klassische, passende Musik trennt die einzelnen Auftritte voneinander ab, doch auch körperliche Nähe und Entfernung der Personen sind genau austariert. Die sehr unterschiedlichen Charaktere der Frauen werden gegeneinander ausgespielt, die Abhängigkeitsverhältnisse betont.

Dann plötzlich sind sich alle wieder sehr einig, wenn erst niemand, dann alle den Mord begangen haben wollen. Manchmal hat man das Gefühl, dass plötzlich eine weitere Person als Mörder hinter dem Vorhang hervorspringen müsste, die von allen anderen gedeckt wird.

Vielleicht sind es wirklich nur fünf ganz harmlose Frauen? Auf jeden Fall passt das Fazit des Inspektors am Schluss: "Ich glaube nicht an die Wahrheit - es gibt so viele davon."

Bühne: 5 von 5 Punkten

Ensemble: 4 von 5 Punkten

Regie: 5 von 5 Punkten