Taltontheater: Flitterwochen im zweiten Frühling

Taltontheater: Flitterwochen im zweiten Frühling

Das Ensemble ist „Barfuß im Park“ unterwegs.

Wuppertal. Umzugskartons türmen sich auf der Bühne, die Fenster blicken auf schnödes Gemäuer. Die neue Wohnung von Paul und Corie wirkt kahl und ungemütlich. Selbst als das jung verheiratete Paar schließlich die Möbel aufgestellt und die Bilder an die Wand gehängt hat, bekommt die Wohnung kein Flair. Es ist zu verstehen, dass Paul (Ralf Poniewas) daran herummeckert - umso mehr, als es durch ein Loch im Fenster kräftig zieht.

Mit "Barfuß im Park" von Neil Simon inszeniert Jens Kalkhorst, Chef des Taltontheaters, einen Klassiker im Forum. Allerdings mit neuem Zuschnitt: Bei Kalkhorst befindet sich das gerade den Flitterwochen entwachsene Paar bereits im zweiten Frühling. Dementsprechend hat Cories Mutter das Rentenalter erreicht. Damit stellt sich die Frage, wie eine Mittvierzigerin noch so naiv sein kann, für viel Geld eine heruntergekommene Wohnung zu mieten oder bei Temperaturen um den Gefrierpunkt barfuß durch den Park laufen zu wollen.

Und es wirkt auch wenig plausibel, warum Paul die Mankos dieses Wohnlochs lange Zeit relativ gelassen akzeptiert. Einem 20-Jährigen nimmt man diese Haltung ab, nicht aber einem gestandenen Mann. Ebenso gerät das Gefüge bei Cories Mutter ins Wanken: Zwar gibt es auch heiß in Liebe entbrannte Senioren. Trotzdem scheint der schnelle Wechsel von der super-konservativen Dame zur turtelnden Verliebten bei einer 40-Jährigen plausibler.

Sprachlich gibt es wenig Überraschungen: Die Witze bewegen sich um die 120 Stufen, die zum trauten Heim führen, um Nachbar Victor, der nur durchs Schlafzimmerfenster zu seiner Wohnung gelangt, und um die ohnmachtsanfällige Mutti. Daneben wird viel gemeckert und gezetert.

Die Schauspieler geben dabei ihr Bestes: Ute Wollweber spielt in ihrer lila Latzhose forsch und überschwänglich die Corie, Ralf Poniewas einen zwischen Fürsorge für die Familie und den persönlichen Bedürfnissen hin- und hergerissenen Paul. Angela del Vecchio findet für die Mutti eine große Bandbreite von Tönen, die besonders bei Gesprächen durchs lange Treppenhaus (hier hinter der Brandschutztür) zur Geltung kommen.

Als exzentrischer Nachbar Victor muss Regisseur Kalkhorst bei der Premiere aus Krankheitsgründen kurzfristig selbst einspringen und gibt einen schleimig-charmanten Bonvivant mit leichtem Grunzen und vielen Handküssen. Am Ende gibt es wohl meinenden Beifall im gut besetzten kleinen Saal.

Mehr von Westdeutsche Zeitung