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Suche nach neuer Intendantin fürs Tanztheater Pina Bausch

Tanztheater Pina Bausch : Die Coronakrise erschwert ein komplexes Auswahlverfahren

Im Sommer 2021 endet das zweieinhalbjährige Engagement von Bettina Wagner-Bergelt und Roger Christmann. Das Führungsteam des Tanztheaters Pina Bausch hat sich in dieser Zeit um die Konsolidierung des Hauses gekümmert.

Wozu auch die Regelung seiner eigenen Nachfolge (ab August 2021) zählte. Das daraus hervorgegangene, komplexe Auswahlverfahren tritt in diesen Wochen in die nächste Phase. Die Coronakrise hat dafür gesorgt, dass die nicht so einfach über die Bühne gehen kann. Der kaufmännische Geschäftsführer Christmann gibt sich gelassen. Der Prozess sei wichtig, wenn er länger dauere, sei das ok: „Wir wollen, dass die Entscheidung für das Tanztheater gut ist.“

Gesucht wird eine neue „künstlerische Geschäftsführung“: eine „künstlerische Persönlichkeit mit mehrjähriger erfolgreicher Leitungserfahrung in einer vergleichbaren internationalen Institution des Tanzes, die die besondere Geschichte des Ensembles respektiert und das Erbe Pina Bauschs auf innovative Weise in die Zukunft führt und neue choreographische Akzente setzt“. Explizit angesprochen fühlen dürfen sich Choreographen und Kuratoren.

Gute 30 internationale Bewerbungen gingen laut Christmann ein. „Ein sehr gut aufgestelltes Feld“, freut sich Kulturdezernent Matthias Nocke. Die Kandidaten erwartet ein vierstufiges Verfahren mit acht Verantwortungsbereichen, derer sich die gesuchte Persönlichkeit  „bewusst sein und für jeden einzelnen eine Idee haben“ müsse, um sie auszufüllen: Sie müsse Entscheiderin, künstlerische Entscheidungsfinderin, Choreographin, Beschützerin des öffentlichen Bildes, künstlerische Qualitätsmanagerin, Bindeglied zur Pina Bausch Foundation, Visionärin und Mentorin sein. Christmann erklärt: „Wir mussten einen Schritt gedanklich zurückgehen und uns  bewusst machen, was die künstlerische Leitung des Tanztheaters eigentlich bedeutet.“

Acht Verantwortungsbereiche müssen ausgefüllt werden

Zur breiten Aufgabenspanne gesellt sich ein ungewöhnlich großer Personenkreis, der an der Personalauswahl mitwirkt: die etwa 60-köpfige Mitarbeiterschaft (Tänzer, Verwaltung, Technik), der Aufsichtsrat des Tanztheaters, Vertreter von Stadt, Land und Foundation. Ziel: Eine von all diesen Beteiligten getragene Entscheidung, die es  ermöglicht, dass die neue Intendantin ein breites  Vertrauen und einen großen Rückhalt genießt, erklärt Christmann. Eine wichtige Lehre, die aus den Jahren nach dem Tod von Pina Bausch 2009 gezogen wurde. Unrühmlicher Höhepunkt: Der Streit zwischen  Geschäftsführer Dirk Hesse und Intendatin Adolphe Binder, dem 2018 ihre Kündigung  samt anschließenden Rechtsstreit folgte. Erst Anfang 2020 konnte er mit einer  Millionenentschädigung beendet werden. Um Ähnliches in der Zukunft zu verhindern,  erarbeitete das Duo Wagner-Bergelt/Christmann den neuen Auswahlprozess  unter intensiver Mitwirkung der Mitarbeiter. Nocke: „Das Verfahren soll zu einer qualitativ guten Entscheidung führen, an der alle angemessen beteiligt werden, zuvörderst das Ensemble.“

Mitte April endete die Bewerbungsfrist, mittlerweile ist die erste Bewerbungsrunde beendet, wurde eine Vorauswahl getroffen. Das geschah auf digitalem Wege  und verlief reibungslos, da eine hohe Übereinstimmung bestand. Nun aber gehe es ums Kennenlernen,  zu schauen, „ob die künstlerische Handschrift und die Chemie stimmen“, so Christmann. Was bei 70 Leuten, Coronaabstandswahrung  und Reisebeschränkungen schwierig ist. Und Thema weiterer Gespräche in dieser Woche, da das Tanztheater aus der Sommerpause zurückkehrt.

 Der neue Chef soll einen Fünf-Jahres-Vertrag   mit der Option erhalten, diesen zu verlängern.  Und er wird  in die Auswahl der neuen kaufmännischen Geschäftsführung (Nachfolge Christmanns) eingebunden.  Was nicht zuletzt deshalb Sinn macht, da der künstlerische Kopf vielleicht schon jemanden  kennt, den er gerne an seiner Seite hätte und vorschlagen könnte.