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Kabarett: Stefan Verhasselt kommt nach Wuppertal

Kabarett : Stefan Verhasselt kommt nach Wuppertal

Stefan Verhasselt ist Kabarettist vom Niederrhein, gilt als „Hüsch in modern“ und gastiert am Donnerstag in Wuppertal.

Wuppertal. Markante Stimme, flotter Redefluss — man merkt, dass Stefan Verhasselt ein Radiomann ist. Doch während sich das Geplauder im Hörfunk oft rasch versendet, hat sich Verhasselt mit Sorgfalt und Ruhe seinem jüngsten Kabarettprogramm, dem vierten seit 2006, gewidmet. Über zwei Jahre hat er Geschichten und Redensarten gesammelt, seit Januar steht der 50-Jährige mit „Wer kommt, der kommt“ auf der Bühne.

Herr Verhasselt, Sie moderieren auf WDR4 oft die Nachmittagsstrecke. Wie schaffen Sie es immer pünktlich zum Auftritt?

Stefan Verhasselt: Es ist schon mal vorgekommen, dass ich um 18 Uhr in Dortmund aus dem Sender raus bin und um 19.50 Uhr an der Bühnentreppe ankam. Aber oft passiert mir das nicht.

Geht der Anreisestress auf die Konzentration?

Verhasselt: Ich weiß ja, was dann kommt (lacht). Im Auto spreche ich mir auch immer noch mal selber die Texte vor.

Müssen Sie innerlich stark umschalten vom Moderator auf den Kabarettisten?

Verhasselt: Im Radio bin ich derselbe Stefan wie auf der Bühne.

Warum haben Sie sich für Kabarett und nicht für Comedy entschieden?

Verhasselt: Der Unterschied hat mal eine Diskussion unter zwei Zuschauern ausgelöst, die mir sehr gefallen hat. Am Ende stand, dass Comedy zwar kurzfristig mehr Lacher auslöst, dass man von Kabarett aber länger etwas hat. So oft höre ich von Besuchern meiner Vorstellungen, dass sie ein paar Tage später die gleiche Situation erlebt haben, wie ich sie im Programm beschreibe.

Wie kommen diese Situationen denn ins Programm?

Verhasselt: Ich habe mich mehr als zwei Jahre auf mein viertes Programm vorbereitet, überall gut hingeschaut und gut hingehört — die schönsten Geschichten schreibt nun mal das Leben.

Was will mir der Titel „Wer kommt, der kommt“ sagen?

Verhasselt: Das ist eine typische niederrheinische Form der Einladung und heißt: „Ich mach nichts Großes, kommt einfach vorbei.“

Ihre Vorbilder sind Dieter Thomas Heck und Hanns Dieter Hüsch. Gibt es tatsächlich Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden?

Verhasselt: Nein, die verbindet eigentlich nichts. Als Kind wollte ich Moderator werden. Dieter Thomas Heck ist der erste, der mir im Gedächtnis geblieben ist. Moderator bin ich ja dann auch geworden. Hüsch steht natürlich fürs Kabarett. Als ich eine Zeitlang unter der Woche in Hamburg gearbeitet habe, hatte ich ganz schön Heimweh. Auf dem Nachhauseweg habe ich dann immer Kassetten — ja, die gab es damals noch — mit den Niederrheinstories von Hüsch gehört. Da habe ich mich sehr drin wiedergefunden, hatte auch drei solcher Tanten, wie er sie beschreibt.

Hüsch erzählt ja nicht nur Anekdoten, sondern wurde oft auch skurril oder anrührend lebensphilosophisch.

Verhasselt: Schräge und schwarze Gedanken gibt es bei mir auch. Und zum Schluss des Programms auch Anrührendes.

In meinem beruflichen Umfeld habe ich viel mit Niederrheinern zusammengearbeitet. Die waren im Vergleich zu den Rheinländern, die schnell aufgeregt sind, immer recht bedächtig.

Verhasselt: Ich gehöre da eher zu den Um-die-Lampe-Kreisern. In Ruhe gucken, was ist, kann man ja immer noch.

Viele Ihrer Vorstellungen, wie aktuell in Kleve und Duisburg, sind mittlerweile ausgebucht. Haben Sie am Anfang ihrer Kabarettisten-Karriere auch mal vor ganz wenigen Besuchern spielen müssen?

Verhasselt: Ich erinnere mich an einen Abend in einem ganz kleinen Theater in Witten. Da hatte mich der Veranstalter schon vorgewarnt, dass die Leute nicht zeigen, wie es ihnen gefällt. Es waren dann 20 bis 30 Besucher da, und die saßen völlig stumm da. Ich habe gedacht, ich spiele in einen leeren Raum hinein, da kam gar nichts zurück — es war ein Alptraum. Nach der Vorstellung stellte sich heraus, dass es ihnen gut gefallen hatte, sie kamen und wollten Autogramme, kauften auch T-Shirts. Aber an dem Abend habe ich bestimmt zwei Kilo abgenommen.

Wie sieht es mit Auftritten in Fernsehsendungen aus?

Verhasselt: Die Kollegen laden wahrscheinlich lieber Comedians ein, weil sie für schnelle Schenkelklopfer stehen.