Stadtsparkasse Wuppertal feiert Sammlung und Ausstellungsjubiläum.

Sparkasse : Für Beuys wurde eine Ausnahme gemacht

Stadtsparkasse Wuppertal feiert Sammlung und Ausstellungsjubiläum.

Wenn man Jürgen Harmke fragt, ob es ein Highlight unter den 138 Ausstellungen gibt, die die Stadtsparkasse Wuppertal mittlerweile organisiert hat, muss er nicht lange überlegen: „Die mit Beuys, der mit Frau und Tochter zur Vernissage kam, und das Gespräch danach. Die Fotos von diesem Abend halte ich in Ehren“, sagt der Eventmanager, der in der Unternehmenskommunikation und im Vertriebsmanagement des Hauses tätig ist. Harmke meint die 50. Schau im Jahr 1984, die eine Ausnahme machte, weil sie einen Nicht-Wuppertaler präsentierte. 50 Jahre gibt es nun schon „Kunst in der Sparkasse“, das Geldinstitut avancierte derweil zur Besitzerin von 3000 Kunstwerken.

Als die Zentrale der Sparkasse 1973 ans Islandufer zog, bezog sie zwar ein hochmodernes Gebäude. Gearbeitet wurde aber eher althergebracht: „Damals wurden für fast eine Million Kunden am Jahresende manuell die Zinsen be- und gegen-gerechnet. Das dauerte Wochen und Monate“, erinnert sich Harmke, der seit 1977 im Haus tätig ist. Und doch war der Keim für die Zukunft bereits gelegt, denn das Institut beherbergte das erste Rechenzentrum einer Sparkasse im Rheinland. Der Computer benötigte freilich noch eine ganze Etage. „Seither hat sich das Bankengeschäft völlig verändert. Heute besteht der größte Teil der Arbeit in der Kommunikation mit Kunden.“ Mit dem Siegeszug des PCs einher ging die Beschäftigung mit der Kunst. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre wurden die Grundlagen für eine Sammlung gelegt, wurde mit den Ausstellungen in der Sparkasse begonnen, um die lokale Kunstszene stärker zu unterstützen.

3000 Werke befinden sich
in einer Art Dauerausstellung

Herbert Wächter war der erste, der (seine) „Kunst in der Sparkasse“ zeigte. Das war im Dezember 1968. „Eigentlich hatten wir im letzten Jahr bereits 50-Jähriges“, räumt Harmke ein. Organisatorische Gründe bedingten eine zeitliche Verschiebung. Nun aber wird durchgestartet: mit einer Jubiläumsausstellung zweier Künstlerinnen im Herbst in der Zentrale, einem dicken Jubiläumsband und einer Sammlungs-Ausstellung im Von der Heydt-Museum im April 2020. Unter dem Titel „Kontinuum“ stellt Susanne Kessler ab 9. Oktober eine kontemplative Installation mit ihren Malbüchern aus, steuert Guda Koster unter anderem eine interaktive Installation bei, in der der Betrachter zum Bestandteil der Kunst wird. Fast fertig ist auch ein 137 Seiten starkes Werk, das wissenschaftliche Aufsätze, eine Präsentation der Sammlung und eine Chronik der Ausstellungstätigkeit vereint. Für die Ausstellung im Von der Heydt haben die Banker den ehemaligen Direktor des Museums, Gerhard Finckh, als Kurator gewinnen können. Der Ruheständler ist gerade dabei, die 30 bis 40 Künstler auszuwählen, die gezeigt werden sollen. Harmke: „Wir haben ihm eine Liste unserer Künstler gezeigt. Im Moment sichtet er. Dazu gehören auch Fahrten in die Filialen.“

Denn die Sammlung der Stadtsparkasse – inventarisiert in einem einzigen, dicken Aktenordner – befindet sich in einer Art Dauerausstellung: In ihren 34 Filialen mit ihren Kundenräumen und Mitarbeiter-Büros. Nur die Flure sind, des Brandschutzes wegen, ausgespart. Harmke etwa entschied sich vor 25 Jahren für ein 1,10 mal 1,50 Meter großes, abstraktes Ölbild der Malerin Eva Maria Schoffs-Kentner, das ihn mittlerweile durch vier Büros begleitet hat und ihn immer noch fasziniert, „weil es je nach Lichteinfall völlig anders aussieht“. Hinzu wählte er Ulrike Arnolds, ebenfalls in Erdtönen gehaltenes Bild „Hahotoe“. „So profitiere ich auch persönlich von der Sammlung.“

Oft führen Atelierbesuche und Künstlergespräche des Vorstandsvorsitzenden Gunther Wölfges zum Ankauf eines Kunstwerks, oft folgen sie im Nachgang einer Ausstellung im Haus. Tony Craggs sechs Meter hoher Tropfen aus Bronze kam 1996 über einen Wettbewerb zur Sparkasse. Das Werk mit seinen 25 000 Löchern verschönert seither die Klimananlage vor dem Bau am Johannisberg, trägt passender Weise den Namen „Zufuhr“. Bodo Berheides „figura magica“, eine sechs Tonnen schwere Eisenskulptur in Form eines überdimensionalen Magneten, ging, gesponsert durch die Sparkasse, 1991 auf eine Reise um die Welt. Der überwiegende Teil der Sammlung aber besteht aus Leinwandarbeiten, die die reiche Wuppertaler Kunstszene spiegeln.