Sound of the City in Wuppertal: Finale mit Mechthild Großmann

Interview : Mechthild Großmann über die Nacht und eine unglaubliche Sehnsucht

Beim Finale von „Sound of the City – wuppertal@night“ in der Oper tritt auch Mechthild Großmann auf.

Die Oper geht wieder für knapp zwei Wochen in die Stadt. Zum dritten Mal heißt es „Sound of the City“. Diesmal dort, wo Wuppertal auch nachts sehr lebendig ist, in den Clubs und Schänken. Mittendrin Alexandra Holtsch, Berliner Musikerin, Komponistin und DJ, die das Programm auf die Beine gestellt hat. Für das große Finale kehrt „Sound of the City“ am 29. Mai ins Opernhaus zurück. Stargast dieses Abends ist Mechthild Großmann, die auf „ihrer Bühne“ steht. Über ihr Gastspiel, das Paris der 50er Jahre bei Nacht und ein altes Buch haben wir mit ihr gesprochen.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie bei „Sound of the City“ mitmachen?

Mechthild Großmann: Vor über einem Jahr hat mich Alexandra Holtsch gefragt, ob ich einen Roman („Madame Therese“, Red.) von Blaise Cendrars kenne. Zufälligerweise kannte ich ihn. Cendrars wurde noch im 19. Jahrhundert geboren, war ein Weltenbummler, ein Legionär, ließ sich später als Romancier nieder, war befreundet mit Apollinaire und Chagall. Ich habe das Buch vor 30, 35 Jahren gelesen. Den Inhalt möchte ich jetzt nicht erzählen. Das sollte man wie beim Krimi nicht verraten. Nur soviel: Es geht um eine männerwütende Greisin von 79 Jahren, die ihre Sehnsüchte nachts im Paris der 50er Jahre auslebt. Ich habe den Text nun noch mal gelesen. Dann habe ich mich mit Alexandra Holtsch getroffen und wir haben ein paar Ausschnitte aus dem Roman ausgesucht, die auch nachts spielen, passend zum Festival.

Wie hat ihnen das Buch „Madame Therese“ damals gefallen?

Großmann: Als das erschien in den 60ern habe ich es als junger Mensch gelesen. Das ist über 40 Jahre her. Das weiß ich nicht mehr. Es geht schon um ein Paris mit dem Dreck in den Hallen nachts, den komischen Bars, merkwürdigen Leuten, Nachtschwärmern. Früher hat das sicher Leute schockiert, heute nicht mehr. Heute würde ich das eher als eine Beschreibung einer bestimmten Zeit sehen. Es hat etwas mit der Nacht und der unglaublichen Sehnsucht dieser Frau zu tun, die das auch auslebt. Und vielleicht auch mit einer Nacht, die auch wir kennen oder erahnen.

Kannten Sie Alexandra Holtsch schon vorher?

Großmann: Nein. Wir haben ein paar Mal telefoniert, und dann habe ich zugesagt. Sie war bei mir in Hamburg, zuletzt vor ein paar Tagen. Da haben wir meinen Beitrag endgültig in eine Form gebracht. Und am 29. werde ich das mit viel Vergnügen lesen. Ich habe mich gut mit ihr verstanden. Die Musik - Strawinsky, eine sehr eindringliche Musik - haben wir gemeinsam gehört, die vier bis fünf Leseabschnitte dramaturgisch abgesprochen. Wir hoffen, dass wir uns dem Thema Nacht so genähert haben. Eine schöne Idee, diese Musik mit Texten zu kombinieren.

Wie finden Sie die Idee von „Sound of the City“, in die Stadt zu gehen?

Grossmann: Das finde ich gerade bei der Oper ganz wichtig. Die normalen Leute zu erreichen. Oper mal in anderen Zusammenhängen, anderen Räumlichkeiten zu erleben. Ich weiß zwar nicht alles ganz genau, was da stattfindet, aber ich finde, das ist eine großartige Idee. Wie will man sonst Leute dazu überreden, ins Theater zu gehen? Am besten man zeigt, was man hat. Ich habe gehört, dass das schon mehrfach und sehr erfolgreich stattgefunden hat. Und ich freue mich natürlich auch, dass es mit Wuppertal zu tun hast. Ich habe ja sehr lange hier gelebt, und da gibt es schon eine Verbindung. Und dann noch im Opernhaus - es gibt keine Bühne, auf der ich so viel gespielt habe. Da gibt es viele Erinnerungen ...

Das Thema war diesmal wuppertal@night. Die Aufführungen waren unter anderem im U-Club, in der Mauke, im Loch und bei der Marlene. Kennen Sie die noch von früher?

Großmann: Ja, bei Marlene war ich oft. Wir kennen uns auch, Marlene und ich. Wenn ich Zeit für mehr Termine hätte, hätte ich vielleicht auch dort einen Auftritt gehabt.

Wie bereiten Sie sich vor?

Großmann: Lesung und Text lernt man allein. Man bereitet sich nach gemeinsamen Gesprächen vor. Bei literarischen Lesungen ist es immer so. Wie ich was genau lese, entscheide ich. Aber ich treffe mich noch einmal mit Alexandra (Holtsch, Red.) in Wuppertal und danach haben wir eine Generalprobe mit allen zusammen mit Orchester, Chor und Sängern. Und spätabends machen wir dann die Vorstellung. Und dann hoffen wir alle, wenn man das zusammenführt, dass sich das gegenseitig bereichert.

Freuen Sie sich auf Wuppertal?

Großmann: Ja sicher.

Bei der Verabschiedung des Direktors des Von der Heydt-Museums, Gerhard Finckh, waren Sie zuletzt in Wuppertal.

Großmann: Ja als Überraschungsei. Ich habe früher zu einigen Ausstellungen entsprechende Literatur und Briefe gelesen. Ich schätze ihn sehr. Ich hatte eigentlich keine Zeit, aber das habe ich gerne gemacht.

Gibt es schon weitere Termine in Wuppertal?

Großmann: Ja, im Herbst lese ich wahrscheinlich Else Lasker-Schüler hier.

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