Sophie Pacini spielt in der Historischen Stadthalle Wuppertal furios auf

Konzert : Sophie Pacini spielt in der Historischen Stadthalle furios

Die 27-jährige Pianistin gastierte im Rahmen des Bayer-Klavierzyklus in Wuppertal und zeigte ihre große Klasse.

Über seinen programmatischen Zyklus „Carnaval“ hat sich Robert Schumann geringschätzig ausgedrückt. Die „artigen Szenen über vier Töne“ hätten „keinen Kunstwert“, seien „eine jener Spielereien, wie sie seit Bachs Vorgang nichts Neues mehr sind“. „Die musikalischen Stimmungen wechseln zu rasch, als dass ein ganzes Publikum folgen könnte, das nicht alle Minuten aufgescheucht sein will.“ Trotzdem gehören die 22 Charakterstücke seit den Interpretationen durch seine Frau Clara Schumann zum gängigen Repertoire der Pianisten.

Dass Sophie Pacini den vielen Zuhörern im Mendelssohn Saal der Stadthalle vieles zumuten wollte, verkündete sie gleich zu Beginn ihres Klavierabends im Rahmen des Klavierzyklusses der Bayer-Werke. Denn nicht nur dieses Werk erforderte beim Zuhören hohe Konzentration.

Ein nuanciertes Spiel wäre teils wünschenswert gewesen

Schumann, Frédéric Chopin und Franz Liszt sind Romantiker par excellence. Bei vielen ihrer Tonschöpfungen kann man ins Träumen geraten. Sie schrieben aber auch Musik, die wie der „Carnaval“ viele Stimmungsschwankungen, komplexe Harmoniewechsel in sich birgt, also nicht einfach en passant erfassbar ist. Dazu gehören auch Chopins „Polonaise-Fantaisie“ in As-Dur (op. 61), Nocturne in c-Moll OP. 48/1), Franz Liszts ersten beiden der sechs „Consolations“ und seine Klavierfassung der Tannhäuser-Ouvertüre aus Richard Wagners gleichnamiger Oper.

Der Bekanntheitsgrad Pacinis, Jahrgang 1991, steigt stetig, seit sie vor drei Jahren den „Echo Klassik“ als beste Nachwuchskünstlerin erhielt. Als eine selbstbewusste Pianistin stellte sie sich nun in Wuppertal vor, die qua ihrer ausgereiften Klaviertechnik das Zeug dazu hat, die Karriereleiter ganz nach oben zu erklimmen. Bereits ganz zu Anfang, bei Chopins „Fantaisie Impromptu“ in cis-Moll (op. 66), ging sie wie im weiteren Verlauf des Abends energisch mit den 88 Tasten des Konzertflügels um. Ihre furios wirbelnden Ton- und Akkordkaskaden sowie wieselflinken Läufe lösten Bewunderung aus. Doch spielte sie oft so wuchtig, dass etliche fein ziselierte Strukturen auf der Strecke blieben. Eine nuanciertere Anschlagskultur hätte den Gehalt der Werke bestimmt noch deutlicher zum Ausdruck gebracht. Schöne, warme, in sich ruhende Momente wie bei den „Consolations“ und wenigen „Carnaval“-Abschnitten bildeten die Ausnahme.

Als Dank für den lang anhaltenden Schlussapplaus gab es noch das „Allegro appassionato“ in cis-Moll (op. 70) aus der Feder von Camille Saint-Saëns als Zugabe, bei dem Pacini ihre hochvirtuose Klasse noch einmal voll zur Geltung kommen ließ.