Sommerabendkonzert bei Kerzenschein widmet sich Orgel und Flöte in der Kirche am Kolk.

Konzert : Eine musikalische Reise durch die Zeit und zwei Länder

Sommerabendkonzert bei Kerzenschein widmet sich Orgel und Flöte. Rundes und hochklassiges Programm in der Kirche am Kolk.

Ein später Samstagnachmittag in der Elberfelder Fußgängerzone ist, dem Einkaufstrubel geschuldet, laut. Mittendrin aber herrschte an diesem Samstag bewusstes Schweigen. Die Menschen in den gut gefüllten Bankreihen hörten andächtig der Musik zu, die den Saal der Kirche am Kolk erfüllte. Sie erlebten eine wohl durchdachte Liedauswahl, zwei hochklassige, harmonierende Musiker, einen aufgehenden Stern am Querflötistenhimmel und eine Uraufführung. Die Sommerabendkonzerte bei Kerzenschein bieten zum 23. Mal Konsum der besonderen Art.

 „Querflöte und Orgel“ war das Konzert gewidmet, die Stücke unternahmen eine kleine Zeitreise vom Barock in die Gegenwart, von Deutschland nach Frankreich. Nach einer Einführung eröffnete Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) die Konzertstunde, der Komponist des Barock. Organist Thorsten A. Pech und Magnus Mihm spielten seine Sonate e-Moll präzise, Tempi und Zusammenspiel saßen perfekt. Der Schritt zu Johann Gottfried Walther (1684 bis 1748) ist nicht weit. Der Komponist war beruflich und privat mit Bach verbunden. Pech spielte das festliche Concerto a-Moll del Signr. G. Torelli virtuos und getragen.

Uraufführung von Lutz-Werner Hesses Stück „Apogäum“

Von Franz Lachner (1803 bis 1890), der Generalmusikdirektor in München war, bevor er sich ganz aufs Komponieren verlegte, folgte ein Stück, das „trotz seiner Kürze eine immense Dichte musikalischer Themen hat“, so der 25-jährige Mihm. Seine Elegie für Querflöte und Orgel erinnere an Mozarts Musik, ergänzte Pech. Die rhythmischen Verschiebungen des Stücks stellten das Duo vor eine erste Bewährungsprobe, die es gut meisterte.

 Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901) war Schüler Lachners. Pech spielte einen Satz aus der 19. Sonate g-Moll, das ein französisches Chanson aus dem 13. Jahrhundert verarbeitete und fast liedhaft beginnt. Pechs einfühlsamer Vortrag bewies, dass der Organist dem Stück recht zugetan ist.

Für die Orgel hat der geschäftsführende Direktor der Musikhochschule Wuppertal, Lutz-Werner Hesse, schon etliche Werke komponiert. Darunter das sehr erfolgreiche Werk „Vita di San Francesco – Elf Stationen aus dem Leben des heiligen Franziskus von Assisi“, das mehr als 40 Mal aufgeführt wurde. „Apogäum“ heißt die neue Komposition für Querflöte und Orgel, die am Samstag uraufgeführt wurde und sich an die französische Orgelregistrierung anlehne, so Hesse. „Apogäum“, erklärte der anwesende Komponist weiter, bezeichne den größtmöglichen Abstand zwischen Mond und Erde. Flöte und Orgel würden sich in seinem Stück weit voneinander entfernen, aber eben auch wieder verbinden. Weshalb er den Titel eher poetisch verstanden wissen will. Laut Mihm bildet die Orgel die Grundlage des Stücks, während die Flöte den melodiösen Part hat. Beschreibungen, die das stimmungsvolle, moderne Stück einlöst. Die Orgel trägt mit ihren Akkorden die leichte Flöte, bis sich am Ende beide in einem warmen Klangteppich finden.

Das Cantabile aus der „Symphonie pour Orgue“ von Charles-Marie Widor (1844 bis 1937), Schöpfer der Gattung der Orgelsinfonien, setzte die musikalische Reise durch Frankreich fort. Pech freute sich, dass er „eine gute deutsche Barockorgel mit kleinen feinen Zuätzen“ habe, konnte das gesangliche Werk (deutsch) klar und zugleich (französisch) virtuos spielen.

Der Höhepunkt des Konzerts wartete am Ende mit Cécile Chaminades (1857 bis 1944) Concertino für Flöte und Orchester (in der Bearbeitung für Flöte und Orgel). Chaminade, die seit einigen Jahren wieder entdeckt wird, galt zu ihrer Zeit als Wunderkind, fand so, obwohl Frau, Anerkennung und durfte mit 18 Jahren ein Widor-Werk auf dem Klavier uraufführen, erzählte Pech: „Das Concertino ist auch ein sehr bekanntes, liedhaftes, temperamentvolles und großes Stück.“ Die beiden Musiker legten sich entsprechend ins Zeug, zogen alle Register ihres Könnens. Mihm, der hier ein Solo hatte, ließ seine Flöte schweben und tanzen.

Großen Applaus der beglückten Zuhörer gab es für ein rundes Konzertprogramm, zwei hervorragende Musiker und ein Format, dem man noch viele Jahre wünscht. Magnus Mihm, der gerade seinen Master mit Auszeichnung an der Musikhochschule in Karlsruhe erworben hat, ist auf dem besten Weg in die große weite Konzertwelt.

» Beim nächsten Sommerabendkonzert bei Kerzenschein tritt am 17. August das Schwelmer Blockflöten-Ensemble „Spuckstengel“ auf.

musikamkolk.com

Mehr von Westdeutsche Zeitung