Tanztheater: Slawig: Für Frau Binder gibt es kein Zurück

Tanztheater : Slawig: Für Frau Binder gibt es kein Zurück

Der Stadtkämmerer strebt die Trennung von der Intendantin des Tanztheaters an.

Adolphe Binder hat keine Zukunft im Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch. Das stellte Stadtkämmerer und Personaldezernent Johannes Slawig (CDU) gegenüber der WZ fest. Er teile den Eindruck des Richters am Arbeitsgericht, dass zwischen inzwischen zu viel Porzellan zerschlagen worden sei.

Die fristlos entlassene Intendantin des Tanztheaters klagt auf Erfüllung ihres Vertrages, der noch bis 2022 laufen sollte. Während Binder gern weiterarbeiten will, ist im Rathaus nur noch die Frage, ob und in welcher Höhe sie die Intendantin nach nur einem Jahr im Amt abfinden muss.

Aus Sicht von Slawig wiegen die Vorwürfe gegen Adolphe Binder schwer. Es geht um einen belastbaren Spielplan, den die 49-jährige nciht vorgelegt habe. Und es gehe um Verhalten gegenüber Mitarbeitern in der Verwaltung des Tanztheaters. „Wir sind zu einer gütlichen Einigung bereit, aber nicht in der Weise, dass Frau Binder als Intendantin ans Tanztheater zurückkehrt. Dafür ist das Verhältnis zur Verwaltung des Theaters, nicht nur zum Geschäftsführer, zu zerrüttet“, sagte Slawig.

Dass Adolphe Binder im Tanztheater auch noch einige Fürsprecher hat, bewiesen Tänzerinnen und Tänzer, die am Montag zum Auftakt des Prozesses vor dem Arbeitsgericht erschienen war. Und auch der Beirat ist nicht einstimmig in der Bewertung der Angelegenheit. Allerdings scheint der Vertreter der Grünen, Peter Vorsteher, mit seinen Zweifeln allein auf weiter Flur zu sein.

Außerhalb des Beirates erhalten er und Binder Unterstützung von der Partei Die Linken im Stadtrat. Sie sieht in der Zustimmung der Stadt zu einem gerichtlichen Mediationsverfahren das Eingeständnis, dass sich Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD), Slawig und Kulturdezernent Matthias Nocke (CDU) nicht sicher sei, dass die Kündigung von Binder der juristischen Prüfung standhalte. Nach der jüngsten Sitzung des Ältestenrates kritisierte Fraktionschef Bernd Sander, dass die politischen Gremien erst sehr spät mit dem Thema befasst worden seien.

Unterdessen wirbt Kämmerer Slawig beim Bund weiter um die dauerhafte Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten des künftigen Pina Bausch-Zentrums im Schauspielhaus an der Kluse. Er strebt noch für dieses Jahr einen Durchführungsbeschluss an. Damit will er dem Ensemble seine Perspektive in Wuppertal aufzeigen. Außerdem drückt der Kämmerer aufs Tempo. Ihm sitzt der Baukostenindex im Nacken, der die geplanten und zur Hälfte vom Bund bereitgestellten knapp 60 Millionen Euro nach und nach auffrisst. „Kommen wir nicht bald zu einem Ergebnis mit dem Bund, dann müssen wir mit dem Land nach anderen wegen suchen“, sagte Slawig. Er sei aber unvermindert zuversichtlich, dass der Bund den kulturellen Wert des Tanzzentrums kenne und sich an dessen Betrieb finanziell beteilige. Als Indiz dafür wertet er, dass Berlin sich bis 2025 jedes Jahr mit gut 300 000 Euro an den vorbereitenden Arbeiten für das Tanzzentrum beteilige. „Wir sind damit ein Posten im Haushalt. Das ist wichtig“, sagte Slawig.

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