Sängerin: Singen als Grundnahrungsmittel

Sängerin : Singen als Grundnahrungsmittel

Die vielseitige Künstlerin Katrin Eggert tourt mit verschiedenen Bands, kommt auch nach Wuppertal.

Auf sie trifft der Satz „kleine Person, große Stimme“ hundertprozentig zu. Auf 1,60 Meter bringt es die zierliche Katrin Eggert und auf eine mehrere Oktaven umfassende, kräftige Stimme. Ein herzliches Lachen und ein energievolles Auftreten lassen die Power erahnen, die in der 46-Jährigen steckt. Im Soul, Jazz und Pop ist die Schwelmer Sängerin zuhause, tourt gerade mit neuer Band und eigenen Kompositionen. Kommt auch nach Wuppertal – letzten Freitag in die Bandfabrik, Ende August nach Cronenberg. Umzug nicht ausgeschlossen „Ich wohne im Grünen an der Stadtgrenze, suche schon länger nach einer Wohnung in Wuppertal.“

Dort verortet sie eh, wer ihre Homepage besucht hat, die sie unter der Schwebebahn, auf Straßen, Brücken und Plätzen der Stadt zeigt. Viele ihrer Musikvideos dreht sie mit lokalen Künstlern, sie schätzt die große und gute Musikszene der Stadt im Tal. In der sie auch geboren wurde, bevor die Familie nach Schwelm zog. Schon als Kind hörte sie nicht nur die Melodien im Radio oder auf den Schallplatten der Eltern, sondern sang gleich mit. War auch im Schulchor, der ihr aber zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten bot. „Ich wollte eher allein singen, auch Theater spielen“, erinnert sie sich. Die Kombination Gesang und Darstellung habe ihr schon immer gefallen. Vieles habe sie sich selber beigebracht, „durch Probieren, Zuhören und Angucken“. Hinzu kamen Klavier- und Gitarrenunterricht an der Musikschule. Und nach dem Abitur privater Gesangsunterricht bei verschiedenen Dozentinnen.

Sie hat sich ein
Netzwerk ersungen

Ansonsten nutzte sie jede Möglichkeit zu singen, knüpfte so Beziehungen, die zu Empfehlungen, Auftritten und wiederum zu Anfragen führten. „Ich habe mir ein Netzwerk ersungen“, sagt Eggert. Singen sei für sie ein Grundnahrungsmittel, existenziell, „meine Art mich auszudrücken“. Ihre Stimme beschreibt sie als relativ soulig, kräftig, „schwarz“, aber auch hell. Der große Stimmenumfang erlaubt ihr ein breites Spektrum, das auch Rock und Klassik nicht ausschließt.

Katrin Eggert fand ihren eigenen Weg zur Musik, vor allem zu englischsprachigem Soul, Jazz und Pop. Ohne sich unter Duck zu setzen, ohne das Ziel der großen Sängerin im Kopf. Wenngleich sie Aretha Franklin schon klasse finde – wie andere Sängerinnen auch, sagt sie lächelnd. Seit einigen Jahren lebt sie von der Musik, tritt mit der mobilen Coverband ComboCombo bei großen Firmen weltweit auf, mit dem Essener Jazzgitarristen Jan Bierther, mit der Latin Connection, mit einer Funk- und Soul-Sessionband und „überall da, wo ich gebucht werde“. Außerdem betreut sie soziale Projekte an einer Förderschule, die natürlich auch mit Musik zu tun haben.

Eigene Kompositionen bringt sie mit ihrer jüngsten Band, den Encounters, auf die Bühne. Dabei hat sie schon als Kind geschrieben – Gedichte und kleine Geschichten, Texte, die sie über die Jahre sammelte, bis sie vor zwei Jahren beschloss, sie mit Musik zu versehen. Texte über Dinge, die passiert sind oder auch nicht. „Ich hatte so viel Input, das musste einfach raus.“ Mit Gitarre oder Klavier erarbeitete sie ein Grundgerüst, das dann ein befreundeter Jazzpianist und zum Schluss ihre Band bearbeiteten. „Die Songs sind eher poppig“, erzählt Eggert. Und eben in deutscher Sprache. Die Furcht, die Lieder könnten zu schlagerlastig oder kitschig sein, nahmen ihr die Encounters, die „die Musik mit mir geschmackvoll umsetzen“.

Kennengelernt hat sie die Band – Thomas Klein (Piano), Sven Vilhelmsson (Kontrabass), Udo Kehlert (Schlagzeug) und Catrin Groth (Saxophon, Flöte, Background Gesang) – durch einen Zufall. Ende 2017 war deren Sängerin erkrankt, Eggert sprang bei einem Auftritt in Witten ein. „Wir passten gut zusammen und touren seither.“ Bei ihren Auftritten lebt Eggert auch ihre Leidenschaft fürs Darstellerische aus, erzählt mit Witz und kabarettistischen Einschlägen über ihre Songs, spontan, aber mit dem Willen, das Publikum auch zu unterhalten. Im Februar kam die erste gemeinsame CD auf den Markt, noch in diesem Jahr soll eine zweite folgen.

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