Sinfoniker wagen einen musikalischen Ausflug nach Paris

Konzert : Musikalischer Ausflug nach Paris

Beim fünften Sinfoniekonzert erwiesen sich die Musiker als stilsicher in verschiedenen Tonsprachen.

Paris ist seit Jahrhunderten eine Kulturmetropole. Künstler jedweden Genres zog und zieht es immer wieder in diese Stadt. Unzählig sind die Tonschöpfungen, die dort entstanden. Irgendwann stellte sich wohl das Sinfonieorchester Wuppertal die Frage: Warum nicht einmal einen musikalischen Ausflug dorthin unternehmen? Beim fünften städtischen Sinfoniekonzert war es nun soweit. Im gut besuchten Großen Saal der Stadthalle kamen vier Werke zur Aufführung, die mit der Hauptstadt Frankreichs zu tun haben.

Natürlich lag der Schwerpunkt auf Musik, die französische Komponisten zu Papier gebracht hatten. Man entschied sich für drei gehaltvolle Orchesterwerke aus dem vergangenen Jahrhundert.

Fein austarierte
dynamische Balance

Henri Dutilleux war kein Vielschreiber. Rund 30 Werke bilden sein vorhandenes Oeuvre. Seine Kompositionen vor 1945 schmiss er in den Papierkorb. Nur zwei dieser Frühwerke sind aufgetaucht. Stilbildende Besonderheit ist seine Originalität hinsichtlich kompositorischer Architektur und innerer Struktur, die er wie eine Metamorphose variiert. Er mied traditionelle Formgerüste. Beispiel dafür ist das zwischen 1962 und 1964 entstandene Stück „Métaboles“ (Metabole = unerwarteter Wechsel in Wortwahl, Syntax oder Rhythmus) für großes Orchester, indem auch eine Zwölftonreihe vorkommt. Unterstützt wird diese Technik durch jeweils wechselnde Klangcharakter der ineinander übergehenden fünf Sätze: Zuerst dominieren die Holzbläser, dann die Streicher, die Blechbläser, schließlich das Schlagzeug. Zum Schluss kommen die Gruppen zusammen.

Olivier Messiaen ekelten Hochhäuser, Flugzeuge und jede Art von Lärm an. Paris fand er deshalb und wegen des seiner Meinung nach schlechten Geschmacks schrecklich. Trotzdem lebte er dort, war von 1931 bis zu seinem Tod im Jahr 1992 Titularorganist an der Église de la Sainte-Trinité. 1930 schrieb er in Fuligny im Departement l’Aube seine dreiteilige meditative Sinfonie „Les Offrandes oubliées“ (Die vergessenen Opfergaben). Sie ist seine erste vollgültige Orchesterarbeit und entstand zum Abschluss seines Studiums bei Paul Dukas am Pariser Conservatoire. Bereits dieses Frühwerk beinhaltet alle Merkmale, die in seinen späteren Werken auftreten: modal-tonale Harmonik, eigenwillige Zeitgestaltung, zutiefst religiöse Thematik.

Maurice Ravel ist neben Claude Debussy der bedeutendste musikalische Vertreter des Impressionismus. Seine Musik ist von außerordentlicher Bildhaftigkeit geprägt. Seine Ballettmusik „Daphnis et Chloé“ ist die wahrscheinlich farbigste. Für die zweite dreisätzige Suite daraus, 1913 veröffentlicht, hatte man sich entschieden.

Diese drei Werke mit ihren völlig unterschiedlichen Tonsprachen führten die städtischen Sinfoniker sehr stilsicher auf. Unter der akkuraten Schlagtechnik von Generalmusikdirektorin Julia Jones stimmten selbst die vertracktesten Einsätze. Auch die dynamische Balance war fein austariert. Lediglich das erste ausorchestrierte allmähliche Lauterwerden (crescendo) bei Ravel geriet etwas diffus.

Auch Wolfgang Amadeus Mozart zog es anno 1778 – sein dritter Aufenthalt –- in die Stadt an der Seine. Diesmal war er besonders ehrgeizig, wollte er doch dem Pariser Publikum unter allen Umständen gefallen. Dafür schuf er seine 31. Sinfonie in D-Dur (KV 297), auch „Pariser“ genannt. Wie erhofft war die Uraufführung am 18. Juli 1778 ein voller Erfolg.

Auch bei dieser Darbietung dirigierte Jones mit straffen Zügeln. Wenn es auch an dem allerletzten Feinschliff hinsichtlich der feinen Phrasierungen ein wenig mangelte, erklangen so die flotten Ecksätze stimmig intensiv und dicht. Elegant kam das Andante von der Bühne.

Dieser musikalische Paris-Trip kam beim Publikum sehr gut an, das sich dafür mit lang anhaltendem Schlussapplaus bedankte.

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