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Sinfoniker starten vital in die Saison

Sinfoniker starten vital in die Saison

Chef-Dirigent Toshiyuki Kamioka macht in der Stadthalle Tempo — kostet klangvolle Momente aber auch aus.

Wuppertal. Im ausverkauften Stadthallen-Saal startete das Sinfonieorchester am Sonntagabend in seine 151. Saison. Kein Wunder, lockte doch Carl Orffs „Carmina Burana“ nach acht Jahren der Abstinenz die Wuppertaler wieder in Scharen.

Und sie wurden nicht enttäuscht: Mit ihrer Musik von elementarer Kraft, brachialer Freude und zu Herzen gehender Sanftmut sind die mittelalterlichen Lieder, die 1934 in Benediktbeuern gefunden worden waren, unmittelbar packend. Sie strotzen vor Vitalität, hämmern mit mitreißenden Rhythmen direkt ins Unterbewusstsein und berühren die Herzen mit ihrer sehnsuchtsvollen Melodik in den drei Teilen „Im Frühling“, „In der Schenke“ und „Liebeshof“.

Chef-Dirigent Toshiyuki Kamioka jagte sein Orchester, die Chöre und Solisten in rasenden Tempi durch die Partitur, erwies sich jedoch auch wieder als Meister im Auskosten, wenn es um klagende und ruhig schwingende Melodien ging. Der Chor der Konzertgesellschaft (Einstudierung: Marieddy Rossetto) sang die Lieder voller Schwung auch in den Solorollen der Chorabteilungen sicher — präzise in Rhythmik und Deklamation.

Die Knaben der Wuppertaler Kurrende (Einstudierung: Dietrich Modersohn) leiteten mit klangschönem Gesang von der Empore herab den dritten Teil ein. Hierbei war Elena Finks glockenklarer Sopran im schönen Lied „Stetit puella“ gefordert, das von den zwiespältigen Gefühlen einer jungen Frau bei der ersten Liebe erzählt.

Kay Stiefermann glänzte mit deutlicher Aussprache der überwiegend lateinischen Texte und einem geschmeidigen Bariton, der etwa beim klagenden „Tag, Nacht und alles“ bis in tenorale Höhen reicht.

Auch Andreas Post musste seine Tenorstimme bis in Alt-Höhen führen, um das herrliche Klagelied des gebratenen Schwans zu intonieren. Er sang sehr kultiviert, wenn auch ein Ausflug in ironische Übertreibung denkbar gewesen wäre.

Die lieferte Stiefermann mit viel Spiel- und Sprechwitz in der humorigen Litanei „Ich bin der Abt vom Schlaraffenland“. Das ebenso heilbringende wie schreckliche Glück im stets kreisenden Schicksalsrad der Fortuna besang der gewaltige Eingangs- und Schlusschor. Und gutes Glück wünschten die begeisterten Zuhörer offenbar auch „ihrem“ Orchester für diese Spielzeit — mit langem, stehend gespendetem Applaus.