Sinfoniker: Pechsträhne mit glücklichem Ende

Sinfoniker: Pechsträhne mit glücklichem Ende

In der Stadthalle kam vieles anders als geplant. Trotzdem war das Publikum zufrieden.

Ein Unglück kommt selten allein. Das bewahrheitete sich dramatisch im Vorfeld des 9. Sinfoniekonzerts: Violinsolist Salvatore Accardo erkrankte plötzlich bei der Generalprobe am Samstagabend. Den angefragten Ersatz traf das Erdbeben in Italien, so dass er erst am Sonntag um 9 Uhr in Frankfurt landen konnte. Dass Pavel Berman mit seiner kostbaren Stradivari im Gepäck gestern doch nahezu pünktlich zum Konzert in der Stadthalle erschien, ist ein Glücksfall.

Aber auch musikalisch serviert der gebürtige Moskauer, der schon mit 17 Jahren von Wettbewerben hoch dekoriert heimkehrte, eine Sternstunde. Das mit geigerischen Raffinessen gespickte und hochgradig schwierige d-Moll-Violinkonzert op. 47 von Jean Sibelius meistert er mit Bravour. Und das, obwohl eine gemeinsame Probe mit dem Orchester nicht stattfinden konnte. Selbst Dirigent Toshiyuki Kamioka zeigt sich später so erleichtert, dass er Pavel Berman mit Rechts-Links-Küsschen dankt.

Im Kopfsatz glänzt das edle Instrument mit sattem, den großen Saal mühelos füllenden Klang — etwa in der grandiosen Solo-Kadenz, die wie irisierend und flüchtig tändelnd mit enormem Gestaltungswillen die Themendurchführung betreibt.

Ganz lyrisch und schön gesanglich klagt die Violine im langsamen Satz „Adagio di molto“ zusammen mit den tiefen Streichern im dunklen Klanggewand, das im Pianissimo erstirbt.

Das Finale ist ein ekstatisches Feuerwerk der Violine über tänzerischen und marschähnlichen Rhythmen des Orchesters. Das hält sich angemessen zurück, zumal der Solist eindeutig im Mittelpunkt steht. Geringe Temposchwankungen und eine nicht durchgängig einheitliche dynamische Gestaltung dürften nach dieser „Generalprobe“ der etwas anderen Art ausgemerzt sein.

Jedenfalls zeigt sich das Publikum höchst beglückt über das Zusammenspiel und dankt mit überschwänglichem Applaus.

Schon die einleitende Karelia-Suite des finnischen Komponisten stimmte mit seinen schwungvollen Sätzen, präzisen Einsätzen und schöner Klanggebung der Soloinstrumente hoffnungsfroh. Und als der schmissige Schlusssatz „Alla marcia“ wie auf einem fröhlichen Volksfest erklingt, weiß man schon, dass heute rein gar nichts mehr schief gehen kann. So ist auch Johannes Brahms‘ Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25 in der Bearbeitung für Orchester von Arnold Schönberg ein finaler Hörgenuss.

“ Das Konzert wird am Montag um 20 Uhr in der Stadthalle wiederholt. Um 19 Uhr gibt es eine Konzerteinführung mit Lutz-Werner Hesse.

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