Schwarzbach-Galerie: Farbtupfer im Randgebiet

Schwarzbach-Galerie: Farbtupfer im Randgebiet

Barbara Binner ist offen für viele Kunstrichtungen. Sie sammelt seit 1970.

Wuppertal. Gut ist, wenn Kunst verblüfft. Hier kann sie das schon deshalb immer wieder aufs Neue, weil man sie hier einfach gar nicht vermutet. Sozialer Brennpunkt, kaum kulturelle Infrastruktur, Randgebiet. Am obersten Zipfel der Schwarzbach gibt es sie trotzdem, die Kunst. Und zwar auf richtig viel Fläche. Und das seit 1998.

Malerei, Skulpturen und Videokunst, Papierarbeiten, Metallobjekte und Installationen. Galeristin Barbara Binner ist offen für viele Kunstrichtungen, aber: "Ich stelle Kunst aus, hinter der ich auch stehe." 145 Künstler haben in den vergangenen zwölf Jahren bei ihr ausgestellt - "von Chile bis Moskau und von Aberdeen bis Italien", berichtet Barbara Binner, die seit 1970 Kunst sammelt, nicht ohne Stolz.

Im Spätsommer 1998 verwirklichte sie ihren Traum von einer eigenen Galerie in den alten, großen Fabrikräumen hinter dem Wohnhaus mit der Nummer 174. Auf großzügigen Wand- und Bodenflächen sind in den folgenden zehn Jahren unterschiedlichste Werke zu sehen. Und ob reduzierte Skizzen oder opulente Gemälde: Zu jeder Vernissage wird themenbezogen Selbstgebackenes gereicht, ein unverkennbares Merkmal der Galerie.

Zum zehnten Geburtstag vor zwei Jahren schenkte sich Binner die Renovierung und anschließende Eröffnung neuer Galerieräume im Erdgeschoss des Vorderhauses. Die Galerie hat endlich einen Eingang direkt von der Straße aus. Und allein der farbige Erker darüber ist in der Schwarzbach bereits Kunst.

"Die Liebe zur Kunst, die Faszination an Farbe und Formen, das Interesse am Ergebnis des Zusammenspiels verschiedener Künstler-Objekte, die Aussage der Künstler und die Interpretation ihrer eigenen Gedanken - das sind einige der Gründe, warum ich eine Galerie eröffnet habe", zählt die äußerst agile 68-Jährige auf. Seit ihrer Kindheit beschäftigt sie sich mit Kunst und Musik.

Viele Reisen ins Ausland zeigen ihr die Kunst in Museen und Galerien in anderen Teilen der Welt. Das Spannendste ist für sie jedoch, wenn in den vielen Räumen der Schwarzbach-Galerie immer wieder alles anders ist: "Jede Ausstellung ist ein neues Erlebnis."

Und Barbara Binner mag die Menschen, die diese Kunst erschaffen. Den Begriff Künstler definiert sie klar für sich: "Künstler leben für die Kunst, sie leben mit der Kunst - und bestenfalls leben sie von ihr."

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