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Schwanensee und Steppenmusik

Schwanensee und Steppenmusik

Orchester: Der Instrumental-Verein gestaltet ein Konzert mit anspruchsvollem Programm.

Wuppertal. Er vereint engagierte Laien bei ihrem liebsten Hobby, er lädt regelmäßig Profis ein, er schreibt die Förderung des Nachwuchses groß und er füllt mühelos den großen Stadthallen-Saal: Das Kurzporträt trifft haargenau auf den Instrumental-Verein Wuppertal zu, der zum ersten großen Konzert in diesem Jahr einlud.

Anspruchsvolle Literatur hatte Dirigent Christof Hilger ausgewählt und die Orchestergruppen solide trainiert. Drei Sätze aus Peter Tschaikowskys Suite zum Ballett "Schwanensee" fangen die schwerelose und poetische Musik mit klangvollen Streicher-Fundamenten bestens ein: Fast glaubt man, den Prinzen Siegfried in seiner Traumwelt zu erleben und macht den geliebten Schwan Odette, die Gegenspielerin Odile oder den verschlagenen Zauberer Rotbart allein in der Musik aus.

In Carl Reineckes D-Dur Konzert für Flöte und Orchester ist Dirk Peppel, Professor an der Musikhochschule, der Solist. Im Kopfsatz "Allegro moderato" fügt er den Flötenklang sensibel in das Orchester ein. Das begegnet der Solostimme mit feinen dynamischen Abstufungen, um sie nicht zuzudecken. Anspruchsvolle Melodielinien und trillerreiche, komplexe Läufe pariert Peppel elegant und virtuos. Besonders auch im langsamen Mittelsatz bläst er sein Instrument mit großem und schön gestaltetem Ton. Im rhythmisch anspruchsvollen Schlusssatz verfolgt die Flöte ganz eigene Linien in wechselreicher Artikulation. Hier geraten die Orchester-Tempi allerdings schon mal ins Schwanken. Zwar weist Hilger seine Musiker mit lebendigem Dirigat und ganzem Körpereinsatz an, doch nicht immer bindet er alle Abteilungen geschmeidig ein.

Die zweite Programmhälfte ist dem russischen Komponisten Alexander Borodin gewidmet. In seinen "Steppenskizzen aus Mittelasien" von 1880 sitzen auch ganz junge Streicher im Orchester: Neun Kinder von Orchestermitgliedern an Violinen, Celli und Kontrabass dürfen zum ersten Mal Orchesterluft schnuppern. Borodin liefert ein außermusikalisches Programm gleich mit: Einförmige Steppe, fremde Töne eines russischen Liedes, eine Karawane, die sich mit einer morgenländischen Melodie nähert. Endlich verbinden sich die Weisen und verlieren sich in den Lüften. Sirrend hohe Streicherklänge, Soloweisen der Holzbläser und Bass-Pizzicati schaffen in bester Ausführung ein intensives Stimmungsbild.

Auch in seiner zweiten Sinfonie in h-Moll zeigt sich Borodin als großer Illustrationskünstler: Schweres Stapfen wie von Soldaten im Marsch beherrscht den ersten Satz. Die Takt- und Tempowechsel bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Das gilt auch für das Scherzo im seltenen Taktmaß und mit lyrischen Melodien. Neben vielen schönen Sololeistungen von Bläsern und Harfe fällt doch oft auch das Ringen um den richtigen Ton und die saubere Intonation auf. Was aber viel mehr zählt, sind Intensität und Begeisterung, mit der sich alle Musiker mit der nicht einfachen Komposition auseinandersetzen.