Schüler proben fleißig für das Liederfest in der Uni-Halle

Musikalische Früherziehung: Schüler proben fleißig für das Liederfest in der Uni-Halle

Schüler der Peter-Härtling-Schule stehen im März beim Liederfest auf der Bühne.

Die jungen Sänger der Peter-Härtling-Schule waren nicht zu übersehen. In weißen T-Shirts mit dem Aufdruck „Klasse! Wir singen“ sammelten sie sich auf dem Hof der Förderschule. Lehrerin Rebekka Nicolini nahm sie mit in die Aula. Dort proben Schüler aus drei Klassen einmal die Woche für den großen Auftritt im nächsten Jahr. Vom 29. bis 31. März findet das Liederfest der Aktion „Klasse! Wir singen“ in der Wuppertaler Uni-Halle statt. Dann werden die Jungen und Mädchen im Grundschulalter unter hunderten anderer Schüler auf den Rängen sitzen und mitsingen.

Gemeinsames Singen wieder populär machen – das haben sich die Initiatoren von „Klasse! Wir singen“ auf die Fahnen geschrieben. Nicolini, die neben Sonderpädagogik Musik studiert hat, sprach das Konzept direkt an. „Es ist gut, dass die Kinder Gelegenheit haben, ein Konzert zu besuchen und dann auch noch mitzumachen.“

Die Liederfeste setzen bei den Jüngsten an und sollen immer weitere Kreise ziehen. Migrantenkindern kann das Singen beim Spracherwerb helfen. „Zur Idee der Inklusion gehört auch, dass die Eltern wieder mit Musik in Kontakt kommen“, erklärte Nicolini. Deshalb sind Väter und Mütter bei den Liederfesten gern gesehene Gäste.

Die Probe begann natürlich mit dem Mottolied. „Klasse, wir singen/ Singen macht Spaß“– diese eingängigen Zeilen sangen die Kinder aus vollen Kehlen mit. Zu jeder Strophe gab Nicolini Gesten vor. „Macht immer schön die Bewegungen mit“, bat sie. „Dann könnt ihr euch den Text besser merken.“

Auch ausgefallene Lied-Wünsche werden gerne erfüllt

Mit Gesten begleiteten die Schüler Lieder wie „Zwei kleine Wölfe“, das sie bestimmt noch aus dem Kindergarten kannten. Danach durften sie sich etwas wünschen. Da mussten die meisten gar nicht im Liederbuch blättern und suchen. „Gummibär!“ kam von der einen, „Pippi Langstrumpf!“ von der anderen Seite des Stuhlkreises. Kein Problem. Es war ja Zeit genug für beide Lieder. Die 30-minütige Probe schloss also mit dem Oldie aus den Astrid-Lindgren-Verfilmungen, der mit großer Begeisterung geschmettert wurde: „Zwei mal drei macht vier – ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“.

In der Singgruppe treffen die Älteren, die schon bei den letzten Liederfesten in Düsseldorf und Köln dabei waren, auf die Neueinsteiger. Mit seinen 10 Jahren gehört Chris zu den „alten Hasen“. Spaß am Singen? Auf jeden Fall, bestätigte er. Gern mache er auch Musik in den eigenen vier Wänden. Allerdings: „Da rappe ich am liebsten.“ „Ich mag andere Musik“, sagte Jeremy zum Thema Kinderlieder. Hip-Hop hört er zu Hause auf dem Computer. Der 7-jährige bekam leuchtende Augen, als er auf das Liederfest in der Uni-Halle. Auf so eine große Sache freut er sich. Bisher war er nur einmal im Fußballstadion. Freuen kann er sich auch auf die Belohnung, die jeder Teilnehmer am Liederfest bekommt. Neben dem T-Shirt und dem Liederbuch darf jedes Kind eine CD mit nach Hause nehmen.

Trotz hohem Spaßfaktor – die Proben mit ihren Schützlingen seien nicht immer so einfach, berichteten die Klassenlehrerinnen Sarah Booth und Lea Korpys. „Singen ist für viele Kinder erst mal ungewohnt. Es ist so emotional.“ Den Schülern falle es schwer, aus sich rauszugehen. „Man braucht Durchhaltevermögen“, ergänzte Rebekka Nicolini. „Irgendwann merkt man, dass sie besser zuhören und die Texte lernen.“ Die Kinder in ihrer Klasse hat sie inzwischen auf ihre Seite gebracht. „Wenn ich jetzt eine Woche mal keine Zeit fürs gemeinsame Singen habe, fragen sie: Wann singen wir wieder?“

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