#Schnappschuss: Wuppertaler Schauspielensemble erobert das Polizeipräsidium.

Theater : Gruselgeschichten auf spaßige Art

#Schnappschuss: Wuppertaler Schauspielensemble erobert das Polizeipräsidium.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Kein Mensch, keine Begebenheit ist wie der oder die andere. Und so hatten die Texte, die das Schauspielensemble bei seinem zehnten #Schnappschuss aufführte, nur einen gemeinsamen Nenner: Stets ging es um Handlungen und deren Folgen - klare Lehren gab es kaum. Das zentrale Inszenierungsmittel setzte eindeutigauf den „Film Noir“. Schließlich befand man sich im Polizeipräsidium, wo Verbrechen, Schuld und Strafe „in der Luft liegen“.

Wie lange kann ein Gesichtsausdruck eingefroren bleiben? Mit schweigendem Lächeln, bewegungslos hinter einer fast seitenlangen Theke sitzend, warteten Lena Vogt, Thomas Braus, und Martin Petschan auf die Besucher im großen Festsaal des Polizeipräsidiums. Das Gebäude in Unterbarmen datiert aus dem Jahr 1939, der Saal wurde meist für Versammlungen genutzt, sah aber auch die erste Oberbürgermeisterwahl nach dem Krieg und 1967/68 den Bialystok-Prozess gegen 14 Wuppertaler Polizisten. Ein geschichtsträchtiger Ort, wie gemacht für Verhandlungen und Inszenierungen im Geiste des Film Noir: desillusionierend, verwirrend und dunkel. Allein drei kleine Schreibtischlampen strahlten die Gesichter der Akteure an, verzerrten die Mimik, während ihre Silhouetten lange Schatten an die Wand hinter ihnen warfen. Ansonsten kein Licht.

Die Lesungen, die im raschen Wechsel, gemäß Schnappschuss-Format, aufeinander folgten, waren freilich alles andere als todernst gemeint.

„Noch Fragen?“ - „Nein?“ - „Gut.“ - Licht aus

Etliche Philosophen haben sich den Kopf über den „Satz vom unzureichenden Grund“ zerbrochen. Einer davon, Schopenhauer, wurde am Freitag zu Rate gezogen, um ins Thema des Abends, „Das kommt davon!“, einzuführen. Slapstikartig, witzig, schnell und unterhaltsam. „Noch Fragen?“ - Nein?“ - „Gut..“ Licht aus. „Das kommt davon!“ Ein Satz, der 1:1 auf die unglücklichen Melanie zutrifft. Ingrid Uebe hat die gruselige Story über die Puppe Paula geschrieben, die von der kleinen Melanie derart verhätschelt wird, dass sie schließlich deren Leben übernimmt. Die Schauspieler machten aus der Kurzgeschichte für Erstklässler einen Hörgenuss für Erwachsene.

Jean Anouilh hat 1944 das Drama „Antigone“ geschrieben. Das junge Mädchen widersetzt sich dem Befehl des Königs Kreon und bestattet ihren Bruder Polyneikes, fordert Kreon heraus und muss sterben. Der Autor stellt den radikalen Kampf für die Utopie der Einsicht in Notwendigkeit und Kompromiss gegenüber. Ohne sich auf eine Seite zu schlagen. Ein ernstes Thema aus einer Zeit, da die Deutschen nur das bedingungslose Ja kannten, das Nein-Sagen umso attraktiver wirken musste. Mögliche (nicht ernst gemeinte) Folgen des Theater-Experiments: „Augen auf bei der Berufswahl“; „Wer A sagt, muss auch B sagen“.

Eine Geschichte aus der Bibel beschloss die rasante Vorstellung: David und Bathseba, in Jugendsprache, oder: „David baut Scheiße“. Der König verguckt sich in Bathseba, schwängert sie und schickt ihren Mann Urija in den Tod. Gott ist verärgert und fordert Tribut (schließlich spielt die Geschichte im Alten Testament), das Kind der beiden muss sterben. Die Schauspieler, allen voran Thomas Braus, nutzten die lockere Sprache und spielten auf ihrer „Bühne“ mit wenigen Accessoires eine Komödie.

#Schnappschuss ist auch in seiner zehnten Auflage schnell, spontan und unterhaltsam.

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