Schauspielerinnen auf neuen Wegen - mit Hilfe der Gedok

Schauspielerinnen auf neuen Wegen - mit Hilfe der Gedok

Die Gedok fördert Darstellerinnen und möchte ihnen eine Plattform bieten.

Wuppertal. „Die Gedok fördert auch Männer — ausnahmsweise.“ Brigitte Melchers schmunzelt. Die Vorsitzende der Wuppertaler Gedok denkt an Thomas Braus, der schon seit 2001 an den Wuppertaler Bühnen Theater macht, am 31. Mai allerdings eine Premiere feiert, die der gestandene Schauspieler in dieser Form noch nie erlebt hat: Die Gedok macht ihn zum sprichwörtlichen Hahn im Korb — im Namen einer Kooperation, die im Angesicht eines nahenden Endes über die Bühne geht, zugleich aber auch einen Neuanfang einläutet.

„Von Liebe, Lust und Pinguinen“ erzählen Maresa Lühle, Hanna Werth und Thomas Braus im Kleinen Schauspielhaus. „Musikalische Polarlichter“ erwartet das Publikum bei der ersten großen Produktion, die die Gedok gemeinsam mit dem städtischen Ensemble stemmt. Während der Künstlerinnenverein im Aufwind ist und mit geballter Schauspiel-Kraft einen neuen Fachbereich („Darstellende Kunst“) aufbaut, verlieren die Wuppertaler Bühnen im Sommer ihre kleine Spielstätte an der Kluse.

„Das Schauspielhaus soll noch einmal eine kleine Sternstunde erleben“, sagt Schauspielerin Maresa Lühle, die das Projekt zusammen mit Hanna Werth angestoßen hat. „Es soll ein schöner Auftakt für ein tolles Frauenjahr werden“, kündigt Lühle an. „Jetzt geht es richtig los.“ Denn auch wenn es zunächst paradox klingen mag, so ist es am Ende doch nur logisch: Während die städtischen Bühnen unter großem Spardruck ihr Ensemble verkleinern müssen und in der kommenden Spielzeit — so lange, bis die neue Spielstätte am Historischen Zentrum gebaut und betriebsbereit ist — ohne feste kleine Bühne auskommen müssen, freut sich der Künstlerinnenverein über wachsenden Zuspruch.

„So traurig die Entwicklung der Rahmenbedingungen an den Bühnen ist: Sie spielt uns natürlich gewaltig in die Hände“, erklärt Melchers, die sichtlich begeistert ist, dass der Kreis an Schauspielerinnen, die sich nun — auch als Folge der Spartendenzen — bei der Gedok organisieren, immer größer wird. Bislang war Maresa Lühle als Alleinkämpferin aktiv: Die Schauspielerin, die 2004 nach Wuppertal kam und selbst mehrere Jahre zum städtischen Ensemble gehörte, war die Erste ihrer Gilde, die sich in der Wuppertaler Gedok engagierte. „Der Künstleraustausch ist eine wunderbare Sache“, betont sie. Im Gegensatz zum Alltag in einem festen Ensemble gebe es bei der Gedok die Möglichkeit, „sich selbst auszuprobieren und Eigenes zu entwickeln“.

Maresa Lühle, Schauspielerin

Julia Wolff, aktuelle Ensemble-Schauspielerin, sieht das genauso: „Ich bin vor kurzem beigetreten und habe großes Interesse an weiblicher Literatur. Damit möchte ich mich gerne mehr beschäftigen.“ Das spiegeln auch die geplanten Projekte: Im November etwa ist ein Gastspiel in der Zentralbibliothek geplant. Mit einer szenischen Lesung wollen Julia Wolff und Caroline Keufen an Helene Stöcker erinnern — in diesem Jahr wird der 70. Todestag der Pazifistin „gefeiert“.

Anne-Catherine Studer, die nur noch bis zum Sommer fest im Ensemble engagiert ist, gehört zu den neuen Mitstreiterinnen, die froh sind, dass sich die Gedok — als Vermittlerin — um Auftrittsmöglichkeiten und Veranstaltungsorte bemüht. „Wir sind kein verstaubtes Frauenvereinchen, sondern eine lebendige Organisation, die eine ideale Plattform bietet“, stellt Melchers klar. „Meine Hoffnung ist, dass immer mehr Schauspielerinnen den Wert der Gedok erkennen. Bei uns können sie ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen, eigene Projekte entwickeln und nicht nur die Rollen übernehmen, die Intendanten oder Regisseure vorgeben.“

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