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Schauspiel: Romeo und Julia erleben eine ungewöhnliche Premiere

Schauspiel: Romeo und Julia erleben eine ungewöhnliche Premiere

Theaterpädagoge Markus Höller leitet ein integratives Projekt und holt behinderte Darsteller ins Rampenlicht der Wuppertaler Bühnen.

Wuppertal. Sie sind das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur überhaupt. Doch was hat die Geschichte von "Romeo und Julia" eigentlich mit dem Leben heutiger Jugendlicher zu tun? Markus Höller nahm diese Frage als Ansatz für seine Inszenierung des Klassikers, die am Sonntag, 10. Februar, um 11 Uhr im Foyer des Schauspielhauses Premiere hat. Das Besondere: Sechs der neun Darsteller sind behindert.

Über eben jene Frage "Wo finde ich mich selbst in der Geschichte?" suchte Höller einen Zugang für seine Schauspieler. Er versuchte, die abstrakte Geschichte näher zu holen, indem er sein Team auf die Reise in eigene Erfahrungen schickte.

Wenn sich Romeo und Julia ihre Liebe gestehen, wie könnte es ihnen dabei ergangen sein? "Man kennt das ja von sich: So ein Liebesgeständnis geht einem ja nicht gerade locker von den Lippen", sagt der Theaterpädagoge schmunzelnd.

Eigene Texte entstanden auf diese Weise. Doch parallel wurde natürlich auch Shakespeares Drama durchgearbeitet - und besonders schöne Passagen wurden für die Inszenierung übernommen. "Wir wollten das Stück so authentisch wie möglich gestalten", erklärt Höller, und Kollegin Miriam Rösch ergänzt: "Die Menschen sollen bei uns klar im Vordergrund stehen. Wir wollten sie nicht überfordern, indem wir ihnen zeigen, was sie nicht gut können, sondern ihre Stärken so präsentieren, dass sie glücklich sind."

Und das scheint zu funktionieren. Sehr bildhaft "übersetzten" sie die sprachlichen Metaphern des englischen Dramatikers, verwoben die Szenen mit Improvisationen und selbst ausgewählten Songs, die bei der Aufführung live gespielt werden, so dass ein völlig neues Stück entsteht - eben "Romeo und Julia nach William Shakespeare".

"Es eröffnet völlig neue Perspektiven auf das Stück und größte Liebespaar der Weltliteratur", verspricht Höller. Ihn beeindruckt vor allem die Disziplin und die Leidenschaft der behinderten Darsteller. "Die sind immer total bei der Sache, haben sich völlig drauf eingelassen - da geht mir jedes Mal das Herz auf." Sagt’s, lächelt und entschwindet in die nächste Probe.

Karten für die Premiere am Sonntag, 10. Februar, 11 Uhr, im Schauspielhaus-Foyer gibt es unter Telefon 569 4444.