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Reiner Weidmann: Menschlicher Blick auf Grenzsituationen

Reiner Weidmann: Menschlicher Blick auf Grenzsituationen

Der Fotograf, der zwischen Wuppertal und New York pendelt, sucht in der Art Fabrik die „Metaphysik des Alltags“.

Wuppertal. Kann man zeigen, was hinter den sichtbaren Dingen verborgen ist, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält? Dieser Frage geht Reiner Weidmann nun schon seit Jahren mit der Kamera nach.

Die Erleuchtung kam dem Unternehmensberater und Psychotherapeuten im Herbst 2003 mitten in New York, im Central Park. Blitzartig ging es Weidmann beim Anblick eines jungen und dynamischen Geschäftsmannes auf, dass das Wesen des Menschen nicht vom "Business" - vom Geschäft - abhängt. Fortan änderte sich seine Auffassung von Fotografie grundlegend.

Bevor Weidmann Sozialwissenschaften und Psychologie studierte, hatte er sich dem Studium der Fotografie gewidmet - zuerst an der Fachhochschule in Dortmund, dann in Wuppertal. Damals ging es ihm noch um sozialkritische Arbeiterfotografie. Mit seinen Fotografien auf der Suche nach der "Metaphysik des Alltags" gelang es ihm jedoch, seine Interessensgebiete zusammenzuführen: visuelle Ästhetik ebenso wie Grundfragen des menschlichen Daseins. Was dabei herauskommt, ist derzeit in der Art Fabrik zu sehen.

Weidmann fotografiert Menschen. Oftmals befinden sie sich in Grenzsituationen. Es sind Sterbende zwischen Leben und Tod oder auch Prostituierte, die am Rande der Gesellschaft stehen - und doch mitten in ihr.

Weit davon entfernt, sie einem voyeuristischen Blick bloßzustellen, versucht Weidmann, mit der Kamera hinter das Sichtbare vorzudringen. "Diese Frauen besitzen eine Weisheit, die der ‚normale’ Mensch nicht hat," kommentiert er. "Überwältigend ist die Energie ihres Lebenswillens, genauso aber auch das Gewaltpotenzial in ihrem Leben, ihre Offenheit und Herzlichkeit." Mit Verwischungen, verschwommenen Konturen und starken Farbkontrasten will Weidmann zum inneren Kern der Dinge vordringen. Zuweilen ist das Motiv nur undeutlich zu erkennen.

Auf Leinwände lässt er die Fotografien drucken, so dass sie wie Gemälde wirken. Sie sind sichtbares Ergebnis zahlreicher Begegnungen, die für Weidmann den größten Stellenwert haben. Dass sie eine Bereicherung auf allen Seiten darstellen, ist dem in Wuppertal und New York lebenden Fotografen zentrales Anliegen.