Regionalwettbewerb: Jugend musiziert in Wuppertal

Musik : Wettbewerb: Jugend musiziert in Wuppertal

Saison 2019 beginnt dieses Wochenende mit den Warmlaufkonzerten. Präsentation und Zusammenspiel sind Schwerpunkt.

Wer dieser Tage die neue Mall des Wuppertaler Bahnhofs durchquert, kommt auch an einem Klavier vorbei. Ein Publikumsmagnet, Stimmungsmacher und Attraktivitätsgewinn, der über die Stadtgrenzen wirkt. Ohne Pause wird es bespielt, manchmal bilden sich kleine Warteschlangen Musizierfreudiger. Reisende vertreiben sich die Wartezeit, Schüler verabreden sich, genießen das Spiel vor Publikum. Ursula Slawig, Bezirksleiterin Vohwinkel der Bergischen Musikschule, freut sich über das große Interesse, das ihrer Einrichtung auch schon einige Unterrichtsnachfragen beschert hat. Die Schülerzahlen der Musikschule seien gut, erzählt sie denn auch. Und doch gibt es einen Wermutstropfen: Die Anmeldungen zum Jugend musiziert Regionalwettbewerb, der 2019 wieder in Wuppertal stattfindet, sind eingebrochen. Von mehr als 300 in 2018 auf unter 200. Am Wochenende finden die wichtigen Warmlaufkonzerte der Teilnehmer statt.

80 Schülerinnen und Schüler aus Wuppertal (60 davon Musikschüler), zwölf aus Remscheid, je knapp 50 aus Solingen und Leverkusen spielen am 26. und 27. Januar im Kolkmann Haus um gute Wertungen und die Qualifaktion zum Landesentscheid, der Anfang März in Köln folgt. Musiziert wird in den Solowertungen Streicher und Pop-Gesang sowie in den Ensemblewertungen Klavier Kammermusik, Duo: Klavier und Blasinstrument, Vokalensemble, Zupfensemble, Harfenensemble. Die meisten Anmeldungen verzeichnen die Geigen, bei den Harfen treten immerhin sechs Ensembles an.

Das Alter der Teilnehmer bietet Ansätze einer Erklärung für den Rückgang. Slawig sagt: „Die meisten sind zwischen neun und 13 Jahre alt, die über 14-Jährigen sind deutlich weniger.“ Der durch G8 erfolgte Schulleistungsdruck lässt grüßen, die Zeit zum beständigen Üben fehlt. „Weniger Kinder schaffen es, auf hohem Niveau zu spielen. Aber die, die mitmachen, sind richtig gut“, bedauert Slawig „die immer größer werdende Schere zwischen der breiten Menge und den richtig Guten“. Für sie steht fest: Dem Nachwuchs fehlt es nicht am gesunden Ehrgeiz, ihm fehlt es an Zeit.

Kommunikation untereinander ist wichtiger als Virtuosität einzelner

Jugend musiziert, das ist längst nicht mehr der kleine (und manchmal geniale) Flöten- oder Klaviersolist, der versunken und fernab der realen Welt vor sich hin spielt. Die Wertungskategorien variieren von Jahr zu Jahr und sind in den deutlich über 50 Jahren, die der Wettbewerb ausgetragen wird, immer wieder ergänzt oder verändert worden. Auch wird ein Vortrag gefordert, der sich nicht auf das virtuose Beherrschen der Musik beschränkt, sondern auch die Präsentation vom Auftritt bis zum Abgang und beim Ensemble das Zusammenspiel einschließt. Hier kommen die sogenannten Warmlaufkonzerte vor Publikum ins Spiel, bei denen die Teilnehmer „die Stücke ins rechte Licht stellen und das Publikum mitnehmen können“, erklärt Slawig. Die bis zu fünf Juroren achten dann Ende Januar nicht nur auf das Beherrschen der Noten, sondern besonders auf die Kommunikation der Musizierenden, sie 2019 (mit seinem Ensembleschwerpunkt) im Vordergrund steht.

Ein eigenes Bild davon können sich die Besucher an vier Terminen ab Sonntag, 20. Januar und natürlich beim Wettbewerb selbst machen. „Er ist öffentlich, und für die Schüler ist es auch schöner, nicht nur vor den Juroren zu spielen“, wirbt Slawig. Der nächste Konzerttermin ist dann das Preisträgerkonzert am 10. Februar im großen Saal der Historischen Stadthalle.

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