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Regina Advento im Interview: „Ich singe immer“

Regina Advento im Interview: „Ich singe immer“

Die Tänzerin von Pina Bausch trägt am Freitag im Opernhaus Lieder aus Stücken des Tanztheaters vor.

Wuppertal. Regina Advento ist seit 1993 Mitglied des Wuppertaler Tanztheaters. „Die 17 Jahre Zusammenarbeit mit Pina waren die spannendste, kreativste und überraschendste Zeit in meinem tänzerischen Leben“, sagt sie. Seit dem Tod der Choreographin 2009 geht Advento neue Wege. Am Freitag singt sie „Her Songs — My Songs“ — Lieder aus Stücken des Tanztheaters. Ihr Konzert ist Auftakt einer Reihe von Gastspielen im Opernhaus.

Frau Advento, wie sind Sie auf die Idee zu dem Programm gekommen?
Regina Advento:
Ich singe immer. Bei den Proben sitze ich neben den Boxen und singe. Wenn ich nicht auf der Bühne bin, stehe ich in der Kulisse und singe — leise natürlich.

Und wie wurde daraus ein Bühnenprogramm?
Advento:
Es war ein organischer, langsamer Prozess. Von all diesen Liedern, die ich so gerne singe, habe ich eine Liste gemacht. Die habe ich Christoph Iacono gezeigt, dem Pianisten meiner Band, und er hat daraus ein Programm erarbeitet, das zu mir und meiner Stimme passt.

Waren Sie sich über die Auswahl immer einig?
Advento:
Auch das war ein Prozess. Wir mussten einen dramaturgischen Bogen finden, weil ich persönlich zu Balladen neige, wir aber natürlich auch temperamentvolle Stücke brauchen.

Singen Sie eigene Interpretationen der Lieder aus den Stücken des Tanztheaters?
Advento:
Nein, wir haben versucht, so nah wie möglich an die Lieder aus den Stücken heranzukommen. Pina hat so schöne Versionen ausgesucht, dass es nicht sinnvoll wäre, mit Gewalt etwas anderes zu suchen. Nur bei einem hat es nicht funktioniert.

Nämlich?
Advento:
Bei „The Man I love“. Das singe ich jetzt in einer brasilianischen Version von Caetano Velozo (einer der bekanntesten Sänger in Brasilien, Anm. d. Red.). Das ist ein Bossa, damit fühle ich mich zuhause.

In welcher Sprache singen Sie?
Advento:
In fünf — Deutsch, Portugiesisch, Englisch, Spanisch und Japanisch.

Japanisch?
Advento:
Bei Gastspielen war es Pina immer wichtig, dass wir auf der Bühne die Sprache des jeweiligen Landes gesprochen haben, wenigstens ein paar Sätze. Manchmal war das schon ziemlich schwierig, auf Koreanisch, Mandarin und Kantonesisch zum Beispiel. Aber auf Japanisch haben mich die Leute immer gut verstanden.

Sie haben das Programm schon in Solingen gesungen. Wie war die Reaktion?
Advento:
Wir waren überrascht, wie die Leute reagiert haben — sehr euphorisch, sehr direkt, sie strahlten eine große positive Energie aus.

Und wie ist Ihre Stimmung kurz vor dem Auftritt im Wuppertaler Stammhaus?
Advento:
Ich bin auf jeden Fall ein bisschen aufgeregt, vielleicht auch ein bisschen viel aufgeregt. Ich feile noch an der Moderation, versuche einen anderen Spannungsbogen zu finden als Text, Lied, Text, Lied.

Singen Sie auch eigene Lieder?
Advento:
Eine Eigenkomposition von mir und Christoph Iacono. Ich hatte erst einen portugiesischen Text, den habe ich ins Englische übertragen, dann kam die Musik dazu. Am Ende ist es eine Art Abschiedsbrief an Pina geworden.