1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Regensburger Knabenchor gab in der Basilika St. Laurentius ein Gastkonzert.

Konzert : Perfekter Auftritt der Domspatzen

Regensburger Knabenchor gab in der Basilika St. Laurentius ein Gastkonzert.

„Laudate Dominum“ (lobet den Herrn) lautet die Überschrift der diesjährigen Herbsttournee der Regensburger Domspatzen, die sie kreuz und quer durch Deutschland führt. Nach Pi mal Daumen 40 Jahren machten sie auf dieser Reise nun einmal wieder in Wuppertal Zwischenstation, in der Basilika St. Laurentius. Schon früh kamen die Freunde hochkarätiger Chormusik an, um nur ja einen guten Sitzplatz zu ergattern.

Ohne Wenn und Aber kann von einem rein musikalischen Gottesdienst - ohne Liturgie und Predigt - gesprochen werden, den der über 1000 Jahre alte Knabenchor zelebrierte. Das hätte dem gesamten Publikum spätestens nach den ersten drei Renaissance-Stücken von Tomás Luis de Victoria, Orlando di Lasso und Marc‘Antonio Ingegneri ganz klar gewesen sein müssen. Denn hier wie im weiteren Verlauf ging es um rein geistliche Werke a cappella aus dieser Zeit über die Romantik bis zur Moderne - getreu dem Motto der Konzertreise „Laudate Dominum“. Das fleißige, unsensible Dazwischenklatschen etlicher Zuhörer nach fast jeder Nummer störte diese Art der Andacht gewaltig – und das nach musikalischen Gebeten und Lobpreisungen. Dagegen gab es zu Recht nach der Hälfte des Konzerts heftigen Beifall und zum Schluss lang anhaltende, stehende Ovationen.

Denn die Domspatzen sind nicht nur einer der ältesten und berühmtesten Chöre ihrer Art in der ganzen Welt, sondern wohl auch einer der besten. Dieses Fazit kann getrost nach diesem Abend gezogen werden.

Perfekter Gesang und
ein großes Orgeltalent

Absolut homogen hörten sich die einzelnen Chorgruppen in sich an. Aber auch der Gesamtklang von einer Vier- bis zur Achtstimmigkeit war in allen Belangen organisch. Professionell wurde mit der Überakustik der Kirche umgegangen. Selbst in den hinteren Reihen gab es keine Probleme mit der Textverständlichkeit. Enorm war die Palette an Dynamiken. Nie waren sie selbst in den lautesten Passagen verkrampft. Samtweich kam das Piano vom Altarraum. Übergänge flossen traumhaft schön. Auch Intonationsprobleme waren selbst bei modernen Stücken nicht hörbar. Traumwandlerisch sicher bewegten sich die Domspatzen zudem in den Musikepochen der Renaissance, der Romantik wie in den unterschiedlichen Stilen des letzten Jahrhunderts bis heute.

Jederzeit verlässlich lotste Domkapellmeister Roland Büchner die jungen Sänger selbst durch heikelste Passagen. Seine Anweisungen hinsichtlich Einsätzen, Dynamiken und Klangformungen waren unmissverständlich und eindeutig.

Sehr tief wurden die insgesamt 19 Werke ausgelotet. Ungemein ergreifend wurde György Deák-Bárdos‘ „Eli, Eli!“ vorgetragen. Das „Ave Maria“ Anton Bruckners rührte an. Josef Gabriel Rheinbergers „Abendlied“ ging unter die Haut, gefolgt vom beseelt intonierten Wiegenlied „Guten Abend, gut‘ Nacht“ als Zugabe.

Auch war ein großes Orgeltalent zu erleben: Als die Domspatzen für etwa 15 Minuten pausierten, setzte sich einer von ihnen an die große Seifert-Orgel. Simon Rager, Jungstudent in der Regensburger Orgelklasse von Franz Josef Stoiber und Preisträger bei „Jugend musiziert“, spielte sehr gehaltvoll je ein Werk von Max Reger und Johann Sebastian Bach. Außerdem demonstrierte er in fünf eigenen Improvisation über die Fronleichnamssequenz „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ einen erstklassigen Umgang mit verschiedenen Musikstilen.

Falls der unangebrachte Zwischenapplaus die Regensburger Domspatzen nicht vergrault haben sollte, bleibt zu wünschen, dass nicht noch einmal etwa 40 Jahre vergehen, bis sie wiederkommen. Warum nicht dann beispielsweise in die Stadthalle mit weltlichem Programm? Das haben sie nämlich auch drauf. Dann kann getrost nach jedem Stück geklatscht werden.