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Wuppertaler Kultur: Ralitsa Ralinova setzt Glanzpunkte

Wuppertaler Kultur : Ralitsa Ralinova setzt Glanzpunkte

Sinfoniker und Chor der Konzertgesellschaft waren unter Paul Krämers Dirigat zu hören.

Bekanntlich hinterließ Wolfgang Amadeus Mozart sein Requiem als Torso. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg gab es etliche Versuche, es zu vervollständigen. Es nützte nichts. Denn obwohl die Fassung seines Schülers Franz Xaver Süßmayr ständig kritisch hinterfragt wird, steht diese auf Konzertprogrammen und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Diese Trauermusik war stets ein Garant für eine ausverkaufte Stadthalle, wenn sie vom Sinfonieorchester Wuppertal und abwechselnd mit den ihm eng verbundenen beiden Chören – Konzertchor der Volksbühne und Chor der Konzertgesellschaft – aufgeführt wurde. Doch dieses Mal, am Totensonntag, waren die Reihen im Großen Saal gelichtet. Der Trend zeichnet sich seit einiger Zeit ab, dass zu den einst sehr beliebten städtischen Chorkonzerten die Musikfreunde nicht mehr so zahlreich erscheinen wie früher. Das liegt bestimmt nicht hauptsächlich an den Qualitäten der beiden Laienchöre, von denen mal der eine, mal der andere mit besseren gesanglichen Qualitäten überzeugt. Liegt es nicht vielmehr an dem Bruch mit einer ehrwürdigen Tradition? Denn vor der Ära Toshiyuki Kamiokas, Vorgänger von Julia Jones, war es en vogue, dass Generalmusikdirektoren bei solchen Veranstaltungen am Dirigentenpult standen. Und seitdem? Diesmal lag die Verantwortung des Konzerts in den Händen von Paul Krämer, der letztes Jahr sein Dirigierstudium abschloss.

Mit einer genauen Schlagtechnik beider parallel geführten Arme konnte der laut Biografie bereits chorerfahrene Nachwuchsdirigent zwar überzeugen. Doch Anweisungen mit links (bei Rechtshändern) beziehungsweise rechts (bei Linkshändern) hinsichtlich Phrasierungen, dynamischen Anweisungen oder interpretatorischen Vorstellungen waren nicht sichtbar. So spielte das Sinfonieorchester die Musik tadellos, sehr routiniert. Tief ausgelotet klang sie aber nicht. Vieles kam nur in Andeutungen zum Ausdruck: die starke, kraftvolle Verzweiflung, die Emotionen wie Traurigkeit, Hoffnung, Wut, Angst, Trost, das Changieren zwischen Überpersönlichem und Persönlichem, die Frage nach dem Tod als Schlüssel zum Glück.

Genauso einwandfrei brachte es anfangs Luigi Cherubinis „Marche funebre“ zu Gehör. Die dem Stück innewohnende musikalische Wucht wurde jedoch nicht vermittelt, da zu verhalten intoniert. Auch nahmen die städtischen Sinfoniker dynamisch Rücksicht auf den großen Chor der Konzertgesellschaft (Einstudierung: Georg Leisse), der sich nur deswegen gegenüber dem Orchester durchsetzen konnte. Außerdem könnten die Choristen an der Intonation im Piano noch etwas feilen.

Glanzpunkte setzten Ralitsa Ralinova (Sopran), Iris Marie Sojer (Mezzo), Sangmin Jeon (Tenor) und Sebastian Campione (Bass) vom Wuppertaler Opernensemble. Ihre Partien sangen sie ergreifend anrührend-klar. Die stehenden Ovationen zum Schluss galten sicherlich dem Orchester, den vier Solisten und dem großen Engagement des Chors.