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Ralf Budde: Ein Wuppertaler erobert Wien

Ralf Budde: Ein Wuppertaler erobert Wien

TiC-Theater: Acht Monate hat Ralf Budde an der Volksoper den "Wildschütz" vorbereitet und freut sich über 1300 Besucher pro Vorstellung.

Wuppertal/Wien. Das Image von Wuppertal lässt zuweilen zu Wünschen übrig. Mitleidige Blicke gehören zum Standardprogramm, wenn man von seiner Heimat Wuppertal erzählt oder gar die positiven Seiten der Stadt schildert. Nun können die Wuppertaler aber mit einem neuen Argument für ihre Stadt werben: Der Geschäftsführer des TiC-Theaters erobert momentan die Bühnen der Opernszene.

Seit acht Wochen ist er in der Hauptstadt aller Opern — in Wien — tätig. „Ich studiere hier mit dem hauseigenen Ensemble ’Den Wildschütz’ von Albert Lortzing ein“, berichtet er aus Österreich. Nach Chemnitz und Bonn ist er nun in Wien als Co-Regisseur von Dietrich Hilsdorf gefragt. Wie ein Tagesablauf an der Volksoper aussieht? Budde kontert mit einem Witz: „Fragt ein Mann einen anderen Mann: ’Was machen Sie?’ — ’Ich bin Schauspieler.’ — ’Und was machen Sie am Tag?’“

So sieht der Budde-Alltag in Wien natürlich nicht aus. Genau getaktete Proben, die Nach- und Vorbereitung und zwischendurch einige Fernkonferenzen mit Wuppertal bestimmen seinen Tagesrhythmus. „Außer Sonntags haben wir um 10 und um 17 Uhr eine Probe, es bleibt nicht viel Zeit, sich die Stadt anzugucken.“ Trotz des Stresses reizt ihn der Spagat zwischen Oper und dem TiC-Theater: „Im Gegensatz zu den 80 Plätzen in Wuppertal, spielt das Ensemble hier vor 1300 Besuchern.“ Erstklassige Sänger, das hohe Niveau und die andere Mentalität fordern ihn heraus: „Obwohl man in Österreich Deutsch spricht, ist das schon ein anderes Land.“

Der Pulsschlag, das Tempo und die Lebensart faszinieren den Regisseur und lassen ihn für einige Woche in eine andere Welt eintauchen. „Für Kulturinteressierte ist Wien paradiesisch“, schwärmt er. Vom Zweiten Weltkrieg verschont, konnte die Stadt ihren besonderen Charme behalten. Budde über Wien: „Es gibt hier nur das Briller Viertel, keinen Döppersberg und keine 1960er Jahre-Bauten.“

Am Samstag endet mit der Premiere der Oper nun seine Arbeit an der Volksoper, die mit ihrem handfesten und volksnahen Repertoire überzeugt. „Ich freue mich wieder auf das TiC, die Aufgaben und unsere Leute. Von dieser Arbeit bin ich genauso überzeugt.“ Nach seiner Ankunft in Wuppertal wird Ralf Budde direkt mit der Theaterarbeit starten. Eine etwas andere Herausforderung wartet nun auf ihn: Die Wiederaufnahme des Musicals „My Fair Lady“ steht auf dem Programm. Bis zur Premiere am 10. Mai ist noch viel zu tun.