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Programmheft der Oper Wuppertal arbeitet wieder mit Murals

Oper Wuppertal : Starke Wandbilder von starken Frauen

Programmheft der Oper Wuppertal arbeitet wieder mit Murals.

Jedes Jahr frage man sich neu, welche visuellen Themen und Strömungen interessieren und in Zusammenhang mit der eigenen Arbeit stehen könnten, sich für ein ansprechendes Konzept verwenden ließen. Die Antworten fielen immer wieder unterschiedlich aus, dennoch ergebe sich ein Zusammenhang. Sagt Berthold Schneider. Der Opernintendant legt seit seinem Amtsantritt 2016/17 Wert auf ein visuelles, stark politisches Konzept seiner Jahreshefte. Nun liegt sein fünftes vor. Das  tatsächlich ganz eigen gestaltet ist und doch bestimmte Wege fortschreibt.  Zentrale Bedeutung kommt dabei, wie beim jüngsten Vorgänger, den Murals zu.

 Die Wandgemälde seien nicht nur eine der ältesten und modernsten Kunstformen zugleich, sie verbinden auch Architektur, Malerei und öffentlichen Raum, wie auch die Oper viele Künste miteinander verbinde, nennt Schneider einige der zahlreichen Bezüge, die für die Verwendung dieser Bildsprache im Programmheft sprechen. Dazu gehört sicherlich auch, dass die Wuppertaler Oper  unter Schneider bewusst aus dem Opernhaus in Barmen hinaus in die Stadt geht.  Im „Sound of the city“-Festival gibt es sogar ein konkretes Programmformat dieses Bestrebens. „Der Stadtraum strahlt durch die Oper, die zurück in den Stadtraum strahlt“, freut sich Schneider über eine zwar anstrengende, aber eben auch spannende, engagierte und Freude machende Arbeit.

 Gleichwohl wollte man nicht einfach so weitermachen und entschied, nach kritischer Rückschau aufs männlich dominierte Vorjahresheft nun bewusst nach Bildern von Künstlerinnen  zu suchen. So dass die Oper nun ein Frauenheft vorlegt. Nach umfangreicher Recherche, die bereits im Oktober 2019 begann und  überaus erfolgreich verlief.  „Zwar fielen 50 bis 70 Prozent der Arbeiten, weil von Künstlern geschaffen, direkt weg, auch war die Kontaktaufnahme nicht immer leicht“, erinnert Sarah Teckenberg, Marketingreferentin der Oper. War die Künstlerin aber erstmal  gefunden,  war die Resonanz überaus positiv. So  erschloss sich ein relativ großer Pool toller Künstlerinnen mit wundervollen, „assoziativen Bildern, die für sich stehen und doch im Zusammenhang mit den Stücken der Oper“, so Schneider.

Bild und Musikstück fanden wie selbstverständlich zueinander – nicht über Requisiten oder direkte Bezüge, so Teckenberg, „aber über Elemente aus einer eher der Oper fernen Sprache, die aber  inhaltlichem Bezug hat“.

Eine kleine Frau in rotem, rücknfreiem Kleid rekelt sich  am Ende eines verrottenden Baumstamms, hebt einen Arm, als wolle sie ihn anheben. Das in einem deutschen Wald entstandene Bild illustriert nun Verdis Oper „La Traviata“ (Premiere: 24. April). Eine kniende Frau hält in ihrer Hand behutsam Kind und Vogel, die so geschützt sich der Welt stellen können. Die zarte Szene wurde auf eine rohe Mauer gezeichnet und bebildert nun die erste Premiere der Oper, Mozarts „Die Zauberflöte“ am  13. September.

Kunst will die üblichen Sehgewohnheiten aufbrechen

Elf unterschiedliche Fotos von Murals schmücken das Heft, die in der ganzen Welt – von Russland bis Ägypten, von Dänemark bis in die USA, in Köln oder Chicago   - gefunden wurden. Das Programmbuch ist überdies um zwei Seiten umfangreicher, bietet mehr Raum für Rückblick und  Opernstudio, das in sein zweites Jahr geht, betont den Stellenwert des Chores, indem er im Heft nach vorne rückt, und die zentrale Bedeutung der Sängerinnen und Sänger, die deutlich präsenter sind.

Begleitet werden die Bilder durch eine Schrift-Optik, die die üblichen Sehgewohnheiten umkehrt, indem sie mit weißer Schrift auf schwarzem Untergrund daherkommt. So wie es zentraler Bestandteil der Kunst sei, die Welt zu verändern, sich vorzustellen, wie man sein Tun ändern könne, begründet Schneider. Ganz abgesehen, davon dass die attraktiven Fotos ganz nebenbei  besser rauskommen, die Produktionen mehr Gewicht bekommen.