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Programm: Musik und Gedichte beim Somma’ in Wuppertal

„Somma’-Festival“ auf der Open Air-Bühne der Stadtsparkasse : Musik und Gedichte beim Somma’ in Wuppertal

„Somma’-Festival“ auf der Open Air-Bühne der Stadtsparkasse neben der Stadthalle. Auch hier spielte das Hochwasser eine Rolle.

Anderthalb Jahre Corona haben ihre Spuren hinterlassen. Das Bedürfnis nach Normalität und nach Seele baumeln lassen ist groß. Bei den Menschen im Allgemeinen und bei den Kulturschaffenden im Besonderen. Letztere haben überdies ihre Not mit dem langen Auftrittsverbot. Das weiß die Politik und hat deshalb das Förderprogramm des Kultursommers aufgelegt. Das weiß auch der Wuppertaler Ulrich Rasch und legt sich im Auftrag des „Somma’“, der in der Stadt das Förderprogramm für die hier beheimateten freien Künstlerinnen und Künstler umsetzt, ins Zeug. Am Sonntag tat er dies auf der Open Air-Bühne der Stadtsparkasse im  Stadthallegarten auf dem Johannisberg, wo er als Moderator eines literarisch-musikalischen Programms „gegen den Coronablues“ antrat.

Einen Kessel Buntes versprach Rasch für den Somma’, der diesmal klassische Musik, Lyrik, Operette und Musicals in den Dienst der unterhaltsamen Entspannung stellte. Die Kulisse im sonnig-luftigen Garten oberhalb der Talsohle war perfekt, die Sitzgelegenheiten, vom Liegestuhl bis zum Strandkorb, waren ausreichend vorhanden. Allein die Besucherschar hielt sich in Grenzen, was wohl nicht nur der Kurzfristigkeit des Termins, sondern auch dem Unwetter geschuldet war, dessen Folgen viele Menschen anderweitig band. Und die Rasch zu der spontanen Aktion veranlassten, eine Spendenbox für „Gut für Wuppertal“ am Eingang aufzustellen. Diejenigen, die da waren, lud er zu einem „entspannten luftigen Nachmittag“ ein. Eine Einladung, die die Notenblätter immer wieder wörtlich nahmen.

 Mit Henry Purcells Sonata in D für Trompete wurde das Programm auf der großen Bühne festlich eröffnet. Jonas Jacob ist nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch überregional tätiger Trompetensolist, der regelmäßig Konzerte gibt. Mit elf Jahren spielte der gebürtige Berliner schon mit Berliner Orchestern, erhielt erste Preise beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert, studierte später, parallel zum Jurastudium, Trompete an mehreren Hochschulen. Am Sonntag gab er eine Kostprobe seines Könnens mit zwei festlichen Barock-Stücken, die ein Programm umrahmten, das er mit seiner Frau Camilla und Dingyan Chang gestaltete.

Stimmige Musik im
Wechsel mit Lesung

Chang studiert in Wuppertal und begleitete am elektrischen Klavier nicht nur Jacob - zu Purcell am Anfang gesellte sich Johann Sebastian Bach („Jesu bleibet meine Freude“) am Ende - , sondern griff auch immer wieder als Solist in die Tasten. Dafür hatte er sich Piano Solo-Stücke von Leoš Janáček (1854 bis 1928) ausgesucht, deren Tonsprache aus folkloristischen und -modernen Elementen er souverän und mit viel Gefühl spielte.

Die stimmige Musik erklang im Wechsel mit der Lesung von Camilla Jacob. Die aus dem Fernsehen bekannte Schauspielerin rezitierte Gedichte der Russin Mascha Kaleko (1907 bis 1975) und der polnischen Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska (1923 bis 2012) über verschiedene Aspekte des menschlichen Innenlebens. Von Kalekos „Die frühen Jahre“ bis hin zu Wislawa Szynborskas „Entdeckung“.

Der zweite Teil des Nachmittags war der Liebe gewidmet. Dafür hatte sich das ebenfalls in Wuppertal lebende russische Künstlerpaar Guriev mehrere Duette aus Operetten und Musicals ausgesucht. Die Mezzosopranistin Galina Gurieva beschloss ihr Gesangspädagogikstudium an der Musikhochschule Köln am Standort Wuppertal, arbeitet als Konzertsängerin, Gesangs- und Chorleiterin. Der Tenor Victor Guriev wirkte bereits an Produktionen der Wuppertaler Bühnen mit und ist seit 2009 Mitglied im „Don Kosaken Chor Serge Jaroff“ unter der Leitung vom Wanja Hlibka. Beide können auf einer fundierten Gesangsausbildung aufbauen, die sie an einem russischen Konservatorium erworben haben.

Mit viel Charme und Temperament intonierten sie bekannte Lieder aus „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, Emmerich Kalmans „Die Czardasfürstin“ oder Franz Lehars „Der Graf von Luxemburg“, aus Musicals wie „König der Löwen von Elton John und „Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber oder Jerry Bocks „Anatevka“ sowie Walt Disneys-Film „Aladdin“. Sie kämpften tapfer gegen den Wind an wie gegen eine gelegentlich übersteuerte Technik, die ihren Stimmen in den hohen Passagen nicht gut tat. Und zauberten so den „Corona-Blues“ aus den Herzen des Publikums.