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Premiere: Kurioses Geturtel in Cronenberg

Premiere: Kurioses Geturtel in Cronenberg

Das Ensemble setzt auf Slapstick und zeigt „Venedig im Schnee“.

Wuppertal. Raik Knorscheidt inszeniert im Cronenberger TiC-Theater Comedia dell’Arte auf reinste Weise. Mit großen, überdeutlichen Gesten rennen die Figuren aneinander vorbei, küssen sich die Paare quer über den Tisch vorbei an Blumen und Freunden, schwenkt die Lampe genau im Rhythmus zwischen den vorbei laufenden Darstellern. Sehr malerisch stapeln sich die Schauspieler in den kuriosesten Positionen. "Venedig im Schnee" heißt die Komödie von Gilles Dyrek, die leichte Kost voller Slapstick bietet.

Nathalie (Elisabeth Wahle) und Jean-Luc (Torsten Kress) turteln, was das Zeug hält. Küsschen hier, "ich helfe Dir, chouchou" da. Elisabeth Wahle gibt ein naives Dummchen, das den ungelenken, tollpatschigen Jean-Luc anhimmelt. Dazu gesellt sich das eigentlich frischer verliebte, aber gereiftere Paar Patricia (Sabine Henke) und Christophe (Christof Heußel). Selbst aus einem Beziehungsstreit kommend und nun mit dem turtelnden Pärchen konfrontiert, schweigt Patricia entsetzt und beleidigt.

Als den Gastgebern schließlich die Stille auffällt, glauben sie, in Patricia eine Ausländerin ohne Sprachkenntnisse vor sich zu haben. Eifrig bemüht sich Nathalie, mit Wortbrocken zu kommunizieren. Als Patricia die Situation schließlich durchschaut, nutzt sie sie schamlos aus.

Strahlend plaudert Sabine Henke mit überschwänglichen Gesten auf "chouvenisch" und erfindet dafür das kriegsgeplagte "Chouvenien". Begeistert nimmt sie - zum Entsetzen von Christophe - die Gegenstände entgegen, die ihre Gastgeber nicht mehr brauchen und nun für Chouvenien spenden wollen.

Immer weiter räumt Nathalie die gerade erst bezogene Wohnung leer. Denn: "Wahre Wohltätigkeit zeigt sich darin, Sachen zu spenden, die noch funktionieren." Die brüchige Fassade der Wohnung (von Bühnenbildnerin Sandra Beckmann in offenem Pappmaché und Styropor als solche entlarvt) zerfällt ebenso wie die Beziehung. Immer absurder schraubt sich die ausweglose Situation einer Explosion entgegen.