Premiere im TiC-Theater: Totgeglaubte leben länger

Premiere im TiC-Theater: Totgeglaubte leben länger

In Cronenberg heißt es: „Schick mir keine Blumen“. Raik Knorscheidt sorgt für einen witzigen Abend.

Cronenberg. Hypochondern sei geraten, niemals medizinische Enzyklopädien zu wälzen, lauern auf jeder Seite doch unzählige Gefahren. Doch genau diesem Zwang unterliegt George Kimball. Der Mittvierziger, der schon zum Frühstück Todesanzeigen studiert, hört permanent die Flöhe husten, sein eigenes, vorsichtiges Atmen gerät dabei ins Stocken - was könnten die Schmerzen in der Brust wohl bedeuten?

"Weißt du, was in zwei Wochen alles passieren kann?" - so lautet Kimballs ängstliche Frage, ein zentraler Satz schon zu Beginn der aktuellen TiC-Theater-Inszenierung "Schick mir keine Blumen". Die schwungvolle Komödie war schon 1964 als Filmfassung mit Doris Day und Rock Hudson ein (Lach-)Erfolg.

Erfreulich, dass Regisseur Raik Knorscheidt die Geschichte nicht fürs neue Jahrtausend adaptiert hat, sondern das extrem gut aufgelegte Ensemble im Wohlstands-Amerika spielen lässt, wo ein bisschen vermeintliches Fremdgehen und viel reale Hypochondrie reichlich Turbulenz ins satte Leben bringen. Hauptfigur George, von André Klem genial verkörpert, sitzt dem Irrtum auf, in wenigen Wochen sterben zu müssen - und hat auf einmal nur noch zwei Sorgen: sein diesmal sicher bevorstehender Tod, und die Absicherung seiner Gattin Judy, angenehm quirlig-komisch von Martina Wortmann gespielt.

Mit diesem bisschen Inhalt, dem seinerzeit von den Autoren Norman Barasch und Carroll Moore noch eine Spur Beziehungswitz hinzugefügt wurde, schafft es das TiC-Team, das Publikum fast zwei Stunden kreischen zu lassen. Ein Großteil dazu trägt sicherlich Torsten Kress in der Rolle des George-Freundes Arnold bei.

Das eher simple Stilmittel der dauerbetrunkenen und deshalb dauerkomischen Figur erfährt durch Kress’ Schauspiel und vor allem Mimik volle Berechtigung, im Minutentakt sorgt er für Riesenlacher. Solide Liebeskomödien legen aber auch Wert auf den "Alles wird gut"-Faktor, und so klären sich die Irrungen und Wirrungen um die agilen Hauptfiguren und Dr. Morrissey (Wolfgang Simmelink), Bert (Joachim Rettig) und Mr. Akins (Tobias Unverzagt) - was den ernüchterten Arnold vorwerfen lässt: "Zwei Tage und zwei Nächte habe ich an deiner Grabrede geschrieben - und du stirbst nicht einmal?!"

Regie: 4 von 5 Punkten

Ensemble: 4 von 5 Punkten

Bühne: 4 von 5 Punkten

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