Premiere: Blutrache im Opernhaus

Premiere: Blutrache im Opernhaus

Seit 1986 wurde die „Bluthochzeit“ nicht mehr gefeiert. Am 13. Januar wird sie in Barmen zelebriert.

Wuppertal. Aus der Sicht des Regisseurs ist es eine „spannende Familientragödie“. Für den Dramaturgen ist es ein „gut geschriebener Krimi“. Und für den musikalischen Leiter ist es schon deshalb eine Herausforderung, weil nicht nur der Titel der Oper („Bluthochzeit“) alles andere als nach holder Walzerseligkeit klingt, sondern die meisten Theaterbesucher beim Stichwort Zwölftonmusik auch nach wie vor zusammenzucken.

„Es ist nicht ganz einfach zu verstehen“, gibt Dirigent Hilary Griffiths zu. Wer sich jedoch auf die „Bluthochzeit“ einlasse, werde mit klappernden Kastagnetten und vielen Volksliedern belohnt. „Auf der einen Seite basiert das Stück auf strenger Zwölftonmusik, auf der anderen Seite gibt es aber auch spanische Folklore“, erklärt Griffiths.

„Wir haben den Ehrgeiz, dass die Zuschauer am Ende sagen: Was für eine schöne Musik!“ Mit „wir“ sind neben dem musikalischen Leiter vor allem Christian von Götz (Regie) und Johannes Blum gemeint, der sich die dramaturgische Betreuung mit seiner Kollegin Ulrike Olbrich teilt.

Sie alle fiebern einer ganz besonderen Premiere entgegen: Seit 1986 wurde in der Opernwelt keine „Bluthochzeit“ mehr gefeiert. Die erste hatte 1957 in Köln stattgefunden. 22-mal war die lyrische Tragödie später aufgeführt worden — zuletzt 1986 in Düsseldorf.

„In den 60er und 70er Jahren war das Stück ein echter Hit“, weiß Christian von Götz, der die „Bluthochzeit“ am 13. Januar in Barmen zelebriert und somit auch sein Wuppertal-Debüt feiert. „Die Musik von Wolfgang Fortner ist toll. Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, dass die Oper in der Versenkung verschwunden ist.“

Woran es gelegen haben könnte? „In den 80ern hatte man anderes zu entdecken und hat die 50er vergessen“, sagt Dramaturg Johannes Blum.

Auch Christian von Götz weiß, wie sehr der Opernmarkt Moden unterworfen ist. „Das Fordernde, das das Stück hat, entsprach nicht dem Zeitgeist“, mutmaßt der Regisseur — nicht ohne augenzwinkernd die eigene Wiederentdeckung anzupreisen. „Nun sind wir so frei, dass wir so was ,Uncooles’ wieder machen können.“

Zumal die Besetzung stimme. „Man muss eine tolle Cast haben, sonst kann man das Stück nicht vermitteln“, betont Christian von Götz. „Man muss deluxe besetzen.“ Nicht zum ersten Mal arbeitet der 44-Jährige deshalb mit Dalia Schaechter zusammen: Die Gast-Sängerin aus der Kölner Oper übernimmt die Rolle der Mutter, die der Gedanke an Blutrache nicht loslässt. „Sie steht sowohl szenisch als auch musikalisch im Zentrum des Stückes.“

Nicht nur mit Blick auf die Besetzung glaubt der gebürtige Lübecker, dass das blutige Thema in Wuppertal ankommen dürfte: „Ich bin mir sicher, dass es eine Entdeckung für das Repertoire ist — und es viele Nachzügler an anderen Bühnen geben wird.“

So sieht sich der Regisseur als moderner Wiederentdecker: „Die Aufführungen der 50er Jahre waren sehr statisch. Heute können wir die Geschichte ganz anders aufbrechen und zu Leben erwecken.“ Wie die Bühne in Barmen aussehen wird, will er allerdings (noch) nicht verraten. So viel sei aber sicher: „Die Kraft, die das Stück hat, lässt mit Sicherheit niemanden kalt. Es trifft einen wie ein Stein an der Stirn.“

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