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Premiere: An Kuohn ist Zarah Leander

Premiere: An Kuohn ist Zarah Leander

Die Ensemble-Schauspielerin freut sich auf ihr Musical-Solo.

Wuppertal. Die Zeit der jugendlichen Liebhaberinnen ist vorbei. "Jetzt muss ich immer mehr Mütter und Alkoholikerinnen spielen", seufzt An Kuohn. So wie am Samstag, wenn sie in der Citykirche das Musical-Solo "Zarah 47" von Peter Lund spielt und singt.

Darin hadert Zarah Leander an ihrem 40. Geburtstag mit ihrem Schicksal, das dem Ufa-Star mit dem Ende der Nazi-Herrschaft Auftritte und Filmrollen versagt. Sie habe von nichts gewusst, behauptet Zarah Leander im Stück, und ihre Lieder werden zu bitterbösen Kommentaren ihrer Haltung.

An das ungute Gefühl vor dem 40. Geburtstag kann sich An Kuohn noch gut erinnern - und an die Sorge, alt zu werden. Trotzdem hatte sie erst einmal Schwierigkeiten, sich der Sängerin zu nähern: "Steht es mir als Deutscher zu, über einer Schwedin den Stab zu brechen?"

Im Internet hat sie Filme von Interviews mit Zarah Leander aus den 60er Jahren gefunden, in denen diese immer noch behauptete, völlig unpolitisch zu sein. "Da habe ich gemerkt, wie ich in Wut kam."

Andererseits sei Leander ausnehmend liebenswürdig gewesen. "Inzwischen kann ich mich ihrem Charme nicht mehr entziehen, ich mag sie ganz gerne", sagt die Ensemble-Schauspielerin der Wuppertaler Bühnen. Und die Zusammenarbeit mit der Regisseurin Edda Klepp habe großen Spaß gemacht.

Wenn sie wie jetzt so intensiv mit einer Rolle beschäftigt ist, freut sie sich immer wieder auf ihr "zweites Leben": Wenn es Proben und Aufführungen zulassen, fährt die Künstlerin zu ihrem Mann und ihren Hunden in die Nähe von Paderborn. "Früher fand ich es komisch, wenn ältere Schauspielerinnen von ihrem Garten erzählten - jetzt mache ich es selbst."

Sie liebt die Natur, begleitet ihren Mann, einen Förster, auf den Hochsitz und geht mit ihm im Sommer tagelang auf Hüttentour in den Alpen. "Das ist so herrlich normal." Wobei die Schauspielerin nur öffentliche Verkehrsmittel benutzt und reichlich Erfahrungen mit Verspätungen, Motorschäden und ähnlichen Hindernissen gesammelt hat. Dafür sieht sie dort viele Menschen und Typen - Erlebnisse, die sie später auf der Bühne verarbeiten kann.

Es sind die extremen Rollen, die es An Kuohn angetan haben: So würde sie gerne einmal die Medea spielen, die Elisabeth von Shakespeare oder die Alice in Strindbergs Totentanz. "Allerdings ist man oft in Rollen, die man nicht so liebt, viel besser."

Gerne würde sie wieder mit dem niederländischen Regisseur und Dramatiker Karst Woudstra zusammenarbeiten. Doch sie freut sich auch auf Christian von Treskow, der im kommenden Jahr die Schauspiel-Intendanz übernehmen wird. "Das ist ein Gewinn für Wuppertal."