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Porträt: Ein Tenor sitzt am Klavier

Porträt: Ein Tenor sitzt am Klavier

Klaus-Lothar Peters stammt aus Elberfeld und arbeitet als musikalischer Leiter am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Die derzeitigen Diskussionen um die Schließung des Schauspielhauses sieht der Musiker Klaus-Lothar Peters mit Entsetzen. Zwar war er als kleiner Junge empört, dass der Schauspielhaus-Neubau der Kirmes den Platz wegnahm - "da musste ich für die Kirmes extra nach Barmen fahren" - doch als Jugendlicher tauchte er voll ins Wuppertaler Kulturleben ein. "Ich habe in der Oper gelebt, mehrere Vorstellungen pro Woche besucht." Seine Zeit bei der Kurrende erlebte er sehr prägend ("das war großartig"), die Schule hingegen begeisterte ihn nur mäßig.

So war es folgerichtig, dass er mit 17 Jahren die Schule hinschmiss und ins Wuppertaler Konservatorium marschierte. "Eigentlich wollte ich Gesang studieren. Der damalige Direktor Reinhard Becker meinte jedoch, dafür sei ich zu jung." Also begann Peters fast unvorbereitet ein Klavierstudium. "Das war damals eine tolle Umbruchszeit, als das Konservatorium in eine Hochschule umgewandelt wurde." Seiner Klavierprofessorin Doris Eickenberg verdankt er wichtige Impulse, ebenso der Opernschule mit Hartmut Klug und der Sopranistin Elisabeth Grümmer.

Gleichzeitig arbeitete Peters als Klavierlehrer an der Bergischen Musikschule und als Ersatz für die Bundeswehr beim Roten Kreuz. "Das hat mir viel Spaß gemacht, weil das etwas Sinnvolles ist." Die Ehrfurcht vor einem Ernstfall saß ihm zwar in den Knochen, doch mit großer Begeisterung hielt er viele Jahre lang die Erste-Hilfe-Kurse für Führerschein-Bewerber.

Nach dem Ende seines Studiums bekam der Sänger eine Mini-Rolle am Wuppertaler Opernhaus. "Da war ich ganz stolz. Mit der Gage habe ich mir mein erstes Auto verdient." Trotzdem erkannte der Tenor, dass die Solo-Karriere nicht sein Ding war. "Da braucht man eine irrsinnige Disziplin und Ehrgeiz." So passte es gut, dass er beim Schauspielhaus Düsseldorf als Harmonium-Spieler einspringen konnte. "Dann ergab sich das eine aus dem anderen. . ." Bis heute arbeitet Klaus-Lothar Peters beim Düsseldorfer Schauspielhaus. Seit 16 Jahren hilft er den Schauspielern beim Einstudieren von Gesangspartien und verblüfft dadurch alle Vorgesetzten, die solchem Unterricht wenig Erfolg einräumten. "Aber die Liste ist immer voll - vielleicht, weil ich verstehe, wie Schauspieler denken."

Peters übernimmt die musikalische Leitung vieler Inszenierungen oder organisiert Liederabende. "Der Höhepunkt war für mich eine Zusammenarbeit mit Franz Wittenbrink, als er ,Mütter’ einstudierte", erinnert sich der 52-Jährige. Doch auch an mehrere Einsätze an der Pariser Opera Comique denkt er gerne zurück. Besonders verbunden fühlt sich Peters dem Jungen Düsseldorfer Schauspielhaus, mit dem er gerade sehr erfolgreich "Ronja Räubertochter" herausbrachte. "Im Dezember spiele ich 31 Vorstellungen. Frei habe ich da nur einen Tag: den 24. Dezember." Seine Sommer hingegen sind immer für Bayreuth reserviert. Seit 1981 singt der Wagner-Fan im Festspielchor. "Das sind die schönsten zehn Wochen im Jahr!"