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Polizei-Aufgebot beim Benefizkonzert

Polizei-Aufgebot beim Benefizkonzert

Bundeswehr: Das Musikkorps spielte, Demonstranten kritisierten Afghanistan-Einsätze.

Wuppertal. Das Polizei-Aufgebot vor der Stadthalle irritiert. Sollte nicht ein Benefizkonzert des Lions-Clubs mit dem Musikkorps der Bundeswehr ein paar frohe Stunden bereiten? Eine Handvoll Gegner nutzt den Auftritt, um mit Spruchbändern gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan demonstrieren. Aber spätestens als zum Schluss im Abba-Medley "Thank you for the music" erklingt, ist der Auftritt vergessen und dieser Titel Programm: Das Publikum im ausverkauften Großen Saal bejubelt das große sinfonische Blasorchester unter der Leitung von Walter Ratzek mit stehenden Ovationen.

Den leichten und schmissigen Marsch im Galopp-Rhythmus aus der Ouvertüre von Franz von Suppés "Leichte Kavallerie" können alle mitsummen. Überhaupt unterbrechen ausgewählte, populäre Märsche mit markanten Tuben-Fundamenten und ausreichender Lautstärke, um ganze Exerzierplätze zu beschallen, ein anspruchsvolles Programm.

"Cape Horn" des Schweizers Otto M. Schwarz ist eine gediegene Filmmusik, in der das Waldhorn das Soloinstrument ist. Stefan Klein bläst es sauber, im langsamen Mittelteil innerlich und kraftvoll. Geräusch-Effekte wie Wind und Regen gibt es von der Regenmacher-Röhre und hängenden Metallplättchen. Der Belgier Alexander Comitas schrieb die "Armenische Rhapsody Nr.1" 1995 als Originalkomposition für Blasorchester.

Klagelieder aus der armenischen Volksmusik blasen Oboe und Fagott im klangschönen Duo, das Tenor-Saxophon lässt Melodisches gefühlvoll schleifen. Tanzweisen blitzen aus lärmenden Clustern auf und haben es schwer, sich durchzusetzen. Orientalisch angehauchte Trillerskalen in verqueren Taktgefügen, von der beharrlichen Snare-Drum begleitet, steigern sich zum fulminanten Finale, das immer noch nicht echter Ausgelassenheit Raum geben will.

Musiken aus den Monumentalfilmen hat Guido Rennert, Klarinettist aus eigenen Reihen, für sein Orchester bearbeitet. "Ben Hur" und "Exodus" stehen nach der Pause füllen den Saal nach der Pause mit musikalischem Film-Spektakel.

Den River-Kwai-Marsch aber bläst ein einzelnes Pikkolo-Flötchen ein, ehe die exakt aufspielenden Instrumenten-Abteilungen den bekannten Marsch vollmundig füllen. Abba-Hits aus den 70er Jahren beschließen das Konzert schwungvoll: "Mamma Mia" mit hämmernder Glockenspiel-Einleitung, "Waterloo" im vollen Sound und mit fetzigen Jazz-Anklängen und eben "Thank you for he music" - danke auch für das Engagement für die gute Sache.