Poetry Orchestra zeigt, wie Europa funktionieren kann

Poetry Orchestra zeigt, wie Europa funktionieren kann

Das bunte Ensemble aus sechs Nationen präsentiert am Freitag im Haus der Jugend seine neue CD.

Wuppertal. Das Projekt ist einzigartig: Vor vier Jahren hatte Luci Bögeholz vom Haus der Jugend Barmen die Idee, eine gemeinsame Band aus jungen Menschen Wuppertals und der Partnerstädte zu bilden. Tatsächlich entstand daraus das European Poetry Orchestra mit neun Laien-Musikern aus sechs Nationen. Björn Krüger übernahm die musikalische Leitung und war überrascht, wie schnell die Musiker zu einem harmonischen Ensemble zusammenwuchsen.

„Das erste Treffen führte 2010 in kurzer Zeit zu einem tollen Team, das wirklich etwas Gemeinsames geschafft hat.“ In zehn Tagen entstanden die ersten drei Songs, die mit einem mobilen Studio aufgenommen wurde.

Ein Jahr später trafen sich die Musiker erneut für zehn Tage. In der Zwischenzeit waren viele Mails hin und hergegangen, und auch der Klarinettist Albert aus Barcelona hatte nun Englisch gelernt, um sich zu verständigen.

„Es war toll zu sehen, wie sich die Teilnehmer künstlerisch und menschlich weiterentwickelt haben“, sagt Krüger. Eine anregende Atmosphäre habe bei dem Workshop geherrscht. „Schon am Frühstückstisch haben die ersten die Instrumente in die Hand genommen, geprobt wurde bis spät abends.“ Selbst die Köchin hat am Schluss bei einem Lied mitgesungen.

Die jungen Musiker vertonten bekannte Gedichte aus Deutschland, England oder Spanien, aber auch Eigenkompositionen. „Das war auch für mich eine besondere Erfahrung“, schwärmt Krüger. Noch in der Nacht des letzten Tages wurde ein Song aufgenommen, den die Teilnehmer kurzfristig komponiert hatten.

Dann war erst einmal Sendepause. Für weitere Treffen fehlten Fördermittel. Auch eine geplante Veröffentlichung der CD zerschlug sich zunächst. Doch 2012 schickte Björn Krüger die Demo-CD „hinaus in die Welt“ und gewann damit sowohl beim Jugendkulturpreis NRW einen zweiten Platz als auch den bundesweiten Musikwettbewerb „Welcome to Europe“.

Als im Zusammenhang damit das Lied „Free from the Chains“ online gestellt wurde, kam es auf Platz eins der Download-Charts und schlug sogar bekannte Bands. Und jetzt endlich ist auch die CD fertig, veröffentlicht vom Label „Smarten Up“. Im Rahmen der Literatur Biennale trifft sich das European Poetry Orchestra nach drei Jahren wieder und stellt bei einem Konzert im Haus der Jugend am 30. Mai die neue CD vor.

Doch Krüger hat noch weitere Pläne: „Mein großes Ziel ist ein mehrjähriges Projekt mit EU-Mitteln, das eine Tournee durch die verschiedenen Länder ermöglicht.“ Bis zum Jahresende möchte er alle Anträge einreichen. „Denn unser Projekt zeigt, wie Europa funktionieren kann.“ Am liebsten würde er dafür das Orchester auf 15 bis 20 Musiker erweitern. Doch vorerst ist Krüger dabei, mit verschiedenen Mitstreitern ein Video zu den Songs zu kreieren. Die jungen Musiker steuern dabei Filmchen aus ihren Heimatstädten bei.

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