Kultur in Wuppertal „Es ist viel Dummes in dem amerikanischen Pippi-Film“

Astrid Lindgren antwortete 1988 auf einen Brief der heutigen Kinderbuchautorin Judith Schaudinn.

 Autorin Jasmin Schaudinn hat den Brief von Astrid Lindgren eingerahmt.

Autorin Jasmin Schaudinn hat den Brief von Astrid Lindgren eingerahmt.

Foto: Schwartz, Anna (as)

Jasmin Schaudinn war in ihrer Kindheit ein großer Astrid Lindgren-Fan. „Ich habe ihre Bücher verschlungen“, erzählt die heute 44-Jährige. Wie groß war ihre Freude, als die damals 13-Jährige 1988 erfuhr, dass ein neuer Pippi Langstrumpf-Film in die Kinos kam. „Die neuen Abenteuer von Pippi Langstrumpf“, eine US-amerikanische Koproduktion, war für Jasmin Schaudinn jedoch eine bittere Enttäuschung. „Ich war damals fassungslos, dass im Film eine Pippi gezeigt wurde, die mit Eis nach anderen Leuten warf“, berichtet sie. Während der Film von der Kritik verrissen wurde, schrieb die junge Wuppertalerin an Astrid Lindgren und fragte sie, warum sie einen solchen Film zugelassen habe.

Und tatsächlich antwortete ihr die schwedische Autorin am 24. August 1988 aus dem schwedischen Furusund: „Liebe Jasmin Schaudinn. Du hast völlig recht. Es ist sehr viel Dummes in dem amerikanischen Pippi-Film. Ich finde es besonders widerlich, dass die Tiere sprechen.“

Noch heute hänge der Brief eingerahmt über ihrem Bett, sagt Jasmin Schaudinn. Denn die Bücher von Astrid Lindgren sind für sie noch heute etwas Besonderes geblieben. Inzwischen ist Jasmin Schaudinn selbst Kinderbuchautorin und hat ihr erstes Buch „Edda aus dem Moospfad“ im Oetingerverlag veröffentlicht. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass die kleinen Ärgernisse, Abenteuer und Erlebnisse der sechsjährigen Edda von den „Kindern aus Bullerbü“ oder der „Lotta aus der Krachmacherstraße“ geprägt sind – allerdings wächst Edda in einer anderen Zeit auf. Aber die Liebe zum Detail, die kleinen Dinge im Leben eines Kindes finden sich ebenfalls in der „Edda aus dem Moospfad“.

Der amerikanische Pippi-Film geriet schnell in Vergessenheit. Die Kritiken lauteten: Der Film sei „überflüssig“, und lasse den „Charme des Originals vermissen“ (Cinema). Heute kann sich kaum jemand an den Film erinnern. Prägend und unvergessen bleiben dagegen bis heute die Verfilmungen mit Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf.

Der Brief von Astrid Lindgren an Jasmin Schaudinn ist in dem kürzlich vom Oetinger Verlag herausgegebenen Buch „Pippi Langstrumpf - Heldin, Ikone, Freundin“ (ISBN 978-3-7891-1345-1, Preis: 20 Euro) veröffentlicht worden. In dem Sammelband berichten bekannte Persönlichkeiten, Pippi-Freunde und Kenner über ihre Liebe zu Pippi Langstrumpf.

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