Pina Bauschs Tänzer erobern Ägypten

Pina Bauschs Tänzer erobern Ägypten

Das Ensemble ist auf Kamelen geritten und Pyramiden geklettert. Zum ersten Mal gastierte es in einem arabischen Land.

São Paulo/Kairo. Drei Wochen, sieben ausverkaufte Vorstellungen und mehr als 7000 Zuschauer: Die Zahlen sprechen für sich (und den Erfolg der jüngsten Tournee), sind aber natürlich längst nicht alles. Genauso wichtig sind die menschlichen Erlebnisse am Rande - vor allem dann, wenn sie mit tierischen Erlebnissen verbunden sind.

Die Ensemblemitglieder des Wuppertaler Tanztheaters lernten Brasilien und Ägypten jedenfalls nicht nur von der Bühne aus kennen: Zwischen Proben und Aufführungen hatten sie auch Gelegenheit, Land und Leute kennen zu lernen, Pyramiden zu besichtigen und sich im Kamelreiten zu üben.

Während Brasilien zu den langjährigen Gastspielpartnern gehört, wagte sich die Kompanie in Ägypten auf neues Terrain. Es war also eine ganz besondere Premiere: Zum ersten Mal gastierte das Spitzen-Ensemble in einem arabischen Land - auf Initiative des Goetheinstitus.

Heiko Sievers, Regionalleiter des Goetheinstituts Nordafrika/Nahost und Institutsleiter des Goetheinstitut Ägypten, hatte das Tanztheater ins Opernhaus nach Kairo eingeladen.

Nicht nur Sievers war am Ende fasziniert. "Für das Publikum hier war der ganz spezifische Zugang von Pina Bausch völlig neu", betont er. Was ihn besonders beeindruckt hat? "Das Nicht-Narrative, das Essayistische, Anekdotische in Verbindung mit sehr sehr starken Tänzerpersönlichkeiten, die alle eine große Bedeutung im Stück haben - mit ihren unterschiedlichen Stilen und bei höchster tänzerischer Präzision."

Neu war auch eine ungewöhnliche Kombination: "Das Frühlingsopfer" (1975) und der erste Teil von "Bamboo Blues" (2007) wurden als abendfüllendes Doppelprogramm präsentiert. Applaus gab es dafür auch von offizieller Stelle: Zu den Premierengästen am Tag der Deutschen Einheit zählten der Direktor der Kairoer Oper, Abdel Moneim Kamel, der deutsche Botschafter Bernd Erbel und einige Minister.

Neben Ägypten stand auch Brasilien auf dem Programm: Zum sechsten Mal gastierte die Kompanie im Teatro Alfa in São Paulo - diesmal mit zwei frühen Werken von Pina Bausch. "Café Müller" und "Das Frühlingsopfer" waren bereits 1980 in Brasilien zu sehen und stießen auch jetzt wieder auf große Begeisterung bei Presse und Publikum.

Im Zuschauersaal erinnerten sich viele Fans und Freunde an die Choreographin, die im Juni einem Krebsleiden erlegen war: Neben zahlreichen brasilianischen Tänzern ließ sich auch der ehemalige Tennisprofi Gustavo Kuerten von ihren Stücken verzaubern.

Mehr von Westdeutsche Zeitung