Pina-Bausch-Archiv: Die ersten Schätze werden bald gehoben

Pina-Bausch-Archiv: Die ersten Schätze werden bald gehoben

Die Stiftung gewährt in der kommenden Saison erstmals in größerem Umfang Einblicke in bisher unveröffentlichtes Material.

Wuppertal. Alles ist in Bewegung — mit Blick auf das Wuppertaler Tanztheater dürfte dies keine überraschende Redewendung sein. Bewegung gehört zum Alltag des weltweit gefeierten Ensembles. Die Tatsache, dass nur Dynamik zum Ziel führt, trifft allerdings mindestens genauso sehr auf die Pina-Bausch-Stiftung zu.

Während das Ensemble erst vor kurzem — als Übergangslösung — Lutz Förster zum neuen Leiter kürte und unter seiner Regie ein Konzept für die Zukunft, also nicht zuletzt einen Choreographen sucht, der die erste Uraufführung nach dem Tod von Pina Bausch auf den Weg bringen könnte, ist das Stiftungsteam dabei, den künstlerischen Nachlass der Prinzipalin zu sichten, Dokumente zu sichern, ein Archiv aufzubauen.

„Es gibt noch viel zu tun, aber ein wichtiger Grundstein ist gelegt“, sagt Salomon Bausch. Der Sohn von Star-Choreographin Pina Bausch (1940-2009) ist Vorstand der gleichnamigen Stiftung — und sichtlich erfreut, dass mit der anstehenden Spielzeit eine ganz besondere Saison naht. Wie berichtet, geht das Festival „Pina 40“ von September 2013 bis Mai 2014 hauptsächlich in Wuppertal, aber auch in Düsseldorf und Essen über die Bühne. Mit 330 Veranstaltungen — mit Aufführungen, Ausstellungen, Konzerten, Filmen und Gesprächen — wird der 40. Geburtstag des Wuppertaler Tanztheaters gefeiert. Dabei wird die Pina-Bausch-Stiftung — von den Akteuren, die sich auf internationalem Parkett bewegen, offiziell Pina-Bausch-Foundation genannt — zum ersten Mal in geballter Form Projekte präsentieren, an denen bislang im Verborgenen gearbeitet wurde.

Dabei springt die Stiftung nicht etwa auf einen „fahrenden Zug“ auf, sondern war (und ist) zuständig für zentrale Weichenstellungen. „Das Archivmaterial spielt in der Festival-Saison eine wichtige Rolle“, betont Bausch.

Mit anderen Worten: Ohne die Unterstützung der Stiftung wäre bei „Pina 40“ vieles nicht möglich. Da ist zum Beispiel die Filmreihe, die im Cinemaxx buchstäblich bewegende Momente verspricht. „Es wird vier Filmnächte geben, die bislang unveröffentlichtes Material aus den 1970er bis 2000er Jahren zeigen“, erklärt Bausch. Darunter sind vollständige Aufzeichnungen von Aufführungen, aber auch Szenen, die Einblicke in die Produktionsgeschichte geben. „Sicherlich wird die Begegnung mit den Tänzern der vergangenen 40 Jahre für viele Zuschauer berührende Erinnerungen wachrufen.“ Ein Höhepunkt dürfte die Uraufführung des Pina-Bausch-Films „Ahnen“ werden. Kino- und Tanztheater-Fans sollten sich deshalb schon einmal den 7. September, 9. November, 25. Januar und 24. Mai vormerken — dann findet jeweils von 12 bis 24 Uhr ein Film-Marathon im Cinemaxx statt. Karten gibt es im Kino an der Kluse.

Neben Filmen wird die Stiftung auch mehrere Ausstellungen zeigen, darunter „Rolf Borzik und das Tanztheater Wuppertal“, den Pina Bausch selbst als Hommage an den Bühnen- und Kostümbildner, ihren damaligen Lebenspartner, konzipierte.

Groß ist die Freude darüber, dass ein Projekt schon jetzt als ausgezeichnet gilt: Seit Ende 2012 arbeitet die Stiftung mit der Städtischen Gesamtschule Vohwinkel zusammen. In einem Projektkurs nähern sich Schüler dem Thema Tanz und Archivarbeit an. So soll der Titel Programm werden: „Wir stellen aus!“ heißt es ab dem 7. September. Beim Bundeswettbewerb „Kinder zum Olymp: Schulen kooperieren mit Kultur“ war man jetzt schon beeindruckt: Der Kurs hat in der Sparte Tanz den ersten Preis in der Kategorie „Klasse 10 bis 13“ gewonnen. Zwei Tage nach der Ausstellungseröffnung sei die Siegerehrung in Berlin, wie Bausch stolz verrät.

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