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Performancefestival zu Beuys in Wuppertal: Kollektiv Impact lud ein

Kultur : Mit Floskeln diskriminieren

Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkte – mit urbanem Gärtnern hatte das Gewächshaus, das fürs Beuys-Performancefestival am Mirker Bahnhof aufgebaut wurde, nichts zu tun.

Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkte – mit urbanem Gärtnern hatte das Gewächshaus, das fürs Beuys-Performancefestival am Mirker Bahnhof aufgebaut wurde, nichts zu tun. Vielmehr machte das Kollektiv Impact, bestehend aus den Theatermacherinnen Beate Rüter und Doris Dopf, daraus eine begehbare Installation namens „Under(de)Contruction: Wer im Glashaus sitzt“. Interessierte, die es nicht zum Utopiastadt-Gelände schafften, konnten immerhin per Festival-Stream verfolgen, wie Schauspielerin Petra Koßmann den Pop Up-Kunstraum erkundete.

Wer zu den offiziellen Öffnungszeiten das Glashaus betrat, roch nicht nur die modrig-feuchte Erde unter seinen Füßen. Aus Lautsprechern drang ein Chor von Stimmen an sein Ohr. Die vorgetragenen Sätze hatten einen oft aggressiven Unterton: „Nimm das nicht so ernst.“ – „Das musst du falsch verstanden haben.“ – „Haben wir denn wirklich keine anderen Probleme?“ – „Warum darf ich das jetzt plötzlich nicht mehr sagen?“

Von „Abwehr-Floskeln“ sprechen Rüter und Dopf. Gemeint sind Äußerungen, mit denen vor allem von Rassismus betroffene Menschen konfrontiert sind und die ein Gespräch über erlittene Diskriminierungen schon im Keim ersticken können. Im Rahmen ihrer Installation zitierten die beiden Künstlerinnen diese verbalen Abwehrreaktionen, um die Besucher zum Nachdenken zu bringen – und im besten Fall dazu, eigene Redeweisen zu hinterfragen.

„Dass die Kunst endlich zurück ins Leben kommt“ – diesen von Beuys vertretenen Ansatz teilt das Kollektiv Impact. In diesem Sinne, sagte Rüter, funktioniere Under(de)Contruction als „Soziale Plastik“, die positiv auf Denken und Handeln einwirken will. Abgesehen von Beuys befeuerten Brecht-Verse das Projekt. Beim gemeinsamen Brainstorming, erzählte Dopf, sei auch Brechts Warnung vor dem Faschismus („Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“) Thema gewesen. Von dort aus war es nicht mehr weit zu den „Abwehr-Floskeln“, die Basis für rechtes Gedankengut und Gewalt werden könnten. „Auch da gärt was, wuchert was“, so Dopf.

Für Rüter und Dopf war das Projekt auch ein Lernprozess. Es klärte sich dann auch erst noch, inwieweit sich von Rassismus Betroffene am Projekt einbringen konnten. Mit dem Zelt, das nur wenige Meter vom Glashaus entfernt stand, nahm diese Beteiligung konkrete Formen an. Veranstalter war hier das Netzwerk Community & Solidarity, ein Zusammenschluss von lokalen Initiativen, Organisationen und Vereinen. „Wir wollen das Empowerment zeigen“, erklärte Meieli Borowsky.

Dass die Kunst zurück
ins Leben kommt

Im „Zelt der Selbstermächtigung“ war neben Live-Musik auch die Tonspur von „Wer bin ich?“ zu hören. Der Dokumentarfilm, der Mitte Juni veröffentlicht wird, präsentiert Wuppertaler Kunstschaffende „of Color“. Vor Ort gab es afrikanisch inspirierte Mode vom Label Mosisa, das von Ekila Demvo und Munzila Mvunuku betrieben wird. Um Sichtbarkeit geht es auch Rebecca Beatrice Duopou, die Bilder ausstellte. In der Kunst stünden afrikanische Menschen nur selten im Mittelpunkt, so die Malerin, die dem ihre Porträts entgegenstellt.

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