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Performance-Künstlerin Amanda Coogan stellt in Wuppertal aus

Performance Art : Performance-Künstlerin Amanda Coogan stellt in Wuppertal aus

Die Arbeiten der international renommierten Künstlerin sind derzeit in der Galerie Kunstkomplex zu sehen.

Die große, hautfarbene Stoffbahn hängt, gehalten von einem Bändergespinst, wie eine wogende Fläche im Raum, darunter stehen auf dem Boden einige Plastikschüsseln. Sechs Stunden hat Amanda Coogan in der Mitte des Stoffes gestanden, der sich wie ein weiter, hochgehaltener Rock um sie legte, während auf ihrem Kopf ein Hut aus Eiswürfeln schmolz. Geblieben ist von der Longduration Performance „the Ballad of Now“ in der Galerie Kunstkomplex ein 13 mal 18 Zentimeter kleines Foto, das in einer Auflage von hundert Stück für 30 Euro erworben werden kann, und die menschenleere Skulptur. Mitnehmen konnten die Zuschauer auch „ein Bild im Kopf“, sagt Galeristin Nicole Bardohl. Assoziationen an Erderwärmung, Gletscherschmelze oder menschliche Marionetten etwa. Nicole Bardohl hat die international bekannte Künstlerin Coogan nach Wuppertal geholt.

Vor drei Jahren nahm die Irin Coogan schon einmal an einer Gruppen-Ausstellung im Kunstkomplex teil, vermittelt durch ihre Freundin, die schwedische Künstlerin Anna Berndtson, die Bardohl vertritt wie nun auch Coogan. Man blieb in Kontakt, fand sich nun zur Einzelausstellung „Iconic“ zusammen. Der Titel greift die Ikonenhaftigkeit vieler Arbeiten von Coogan auf. Den Querschnitt durch ihr Schaffen zeigt Bardohl demnächst auch in Basel. Er besteht aus 14 Fotografien (Ausschnitte von Performances), zwei skulpturalen Performances und einigen Zeichnungen. Zur Vorbereitung auf ihre Wuppertaler Performance ließ sich Coogan bei der Vernissage in einem Artist Talk von David J. Becher interviewen.

Coogan wurde 1971 als Kind gehörloser Eltern geboren. Die erste Sprache, die sie lernte, war die Gebärdensprache – nonverbal, visuell und körperbezogen. Was sie fast zwangsläufig zur raumgreifenden Malerei, dort zum Prozess des Malens und schließlich zur Performancekunst führte. Coogan lernte Marina Abramović kennen, deren Meisterschülerin sie wurde. Etliche Ausstellungen, Preise und eine eigene Briefmarke weiter hat sich die in Belfast lebende Künstlerin einen Namen in der internationalen Szene gemacht.

Im Zentrum ihrer Kunst steht der weibliche Körper, den sie in der Öffentlichkeit zeigt und darstellt – in der Tradition der Performancekünstlerinnen der 60er und 70er Jahre, die immer auch feministisch und politisch dachten und handelten. Etwa das Foto, das sie vor knallrotem Hintergrund mit fast entblößter Brust im weißen Anzug zeigt, auf der Haut ein wie mit Blut gemaltes menschliches Herz, die Arme weihevoll geöffnet – Anspielung an die in Irland weit verbreiteten Jesusbilder, die in jedem katholischen Haushalt zu hängen haben. Oder „Bubble up in Blue“, eine achtstündige Performance, bei der ihr mit blauer Lebensmittelfarbe gefärbter Speichel aus dem Mund lief, sich zu einer Art Fallussymbol verdichtete und groteske Assoziationen an den männlichen Körper weckte.

Coogan will herausfordern, provozieren, anregen – sich selbst und den Betrachter. „Performance Art erforscht unsere Kultur, Existenz. Wenn ich ein Tabu berühre, ist es eine interessante Arbeit“, sagt sie dazu, verweigert Interpretationen: „Die Leute fragen, was es bedeutet. Und ich sage, was meinen Sie, dass es bedeutet?“ Die Wuppertaler können noch bis zum 12. August ihre eigene Antwort finden.

» Die Ausstellung in der Galerie Kunstkomplex, Hofaue 54/Wesendonkstraße 12, ist in der Regel mittwochs bis freitags, 12 bis 19 Uhr, und nach Vereinbarung (Telefon: 0202/39312494) geöffnet.

kunstkomplex@net