Peer Gynt und die Moldau: Gelungene Überraschung

Peer Gynt und die Moldau: Gelungene Überraschung

Sinfoniker in der Stadthalle.

Wuppertal. Im Überraschungskonzert der Sinfoniker am Sonntag, das Wünsche der Zuhörer verwirklichte, standen „Die Moldau“ von Bedrich Smetana und die Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg ganz oben in der Publikumsgunst.

Obwohl die Stücke hinreichend bekannt sind, können Toshiyuki Kamioka und seine Musiker in der Stadthalle zu durchaus neuer Hörweise verhelfen: Das wilde Getöse etwa, wenn sich die Moldau den Weg durch die St.-Johann-Stromschnellen bahnt, bleibt selbst im Fortissimo in allen Instrumentengruppen durchsichtig. Und so wundervoll innig hat man den nächtlichen Nymphenreigen selten musiziert gehört. Die spritzige Polka ist kein bäuerischer Stampftanz, sondern hüpft leicht und beschwingt.

Auch bei den Gynt-Sätzen ist Kamiokas Deutung oft kammermusikalisch transparent — etwa bei den im afrikanischen und orientalischen Kolorit daher kommenden Tanzsätzen voller Leichtigkeit und Beschwingtheit. Die einleitende „Morgenstimmung“ nimmt Kamioka flott, so dass sich der Kontrast zum traurigen zweiten Satz umso eindringlicher entfalten kann. Der „Bergkönig“, dessen Schatz die Trolle eifrig ausgraben wollen, erhält den maschinenartig-monotonen Rhythmus, der aber an keiner Stelle zu stark aufgetragen ist. Schließlich steigern sich Tempo und Dynamik — ebenso wie bei den stürmischen Passagen bei Peer Gynts Heimkehr, wenn sein Schiff im Unwetter zerschellt. Besonders feinfühlig spielt das Orchester den finalen Satz „Solveigs Lied“ — voller sehnsuchtsvoller Wehmut.

Antonin Dvoráks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ verschmilzt Elemente tschechischer Volksmusik und amerikanischer Folklore. Sehr engagiert gestalten die Musiker ihre vielen Solorollen und spielen spannungsreich mit schroffen Wechseln. Stets wiederholen sich Themen, so dass der zyklische Zusammenhalt gewahrt ist und sich die Melodien als Ohrwürmer einnisten. vp

“ Das Programm wird am Montag um 20 Uhr in der Stadthalle wiederholt.

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