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Orgelnacht entpuppt sich als kleines Reger-Festival

Orgelnacht entpuppt sich als kleines Reger-Festival

Lokale Organisten spielten auf hohem Niveau.

Wuppertal. Blickte man in jüngerer Vergangenheit mit Sorge auf die ausdünnende Landschaft der Wuppertaler Kirchenmusik, so trug die diesjährige Orgelnacht, von Initiator Achim Maertins zusammen mit den Orgeltagen konzipiert, in der Barmer St. Antonius-Kirche zu einiger Beruhigung bei. Immerhin neun Organisten und zwei Organistinnen stellten sich am Freitag mit Programmen von jeweils 20 Minuten vor. Auf solider Ausbildung basierend — Namen von Orgel-Koryphäen wie Gisbert Schneider, Sieglinde Ahrens, Margareta Hürholz oder Winfried Bönig konnte Moderator Wolfgang Kläsener nennen — präsentierten sich alle Spieler auf enorm hohem Niveau.

Die Orgelnacht geriet zum kleinen Max-Reger-Festival. So spürten Tobias Brändle, Achim Maertins, Thomas Grunwald und Sebastian Söder der ebenso rauschhaften wie beseelten Musik des Kontrapunkt-Meisters im bestechenden Spiel nach. Christian Auhage und Maria Bennemann spielten mit Können und viel Ausdruck Musik vom Barockmeister Johann Sebastian Bach. Matthias Lotzmann und Stefan Starnberger, der musikalische Hausherr von St. Antonius, widmeten sich der französischen Orgelsinfonik mit Werken von César Franck.

Alle Stile, Spielweisen und Genres parierte die schöne, klangfarbenreiche Klais-Orgel auf das Beste. Aus dem Rahmen fielen Bernd Köppens Improvisationen zu Themen aus dem Genfer Psalter, die sich mit eigenwilligen Registrierungen dem vollmundigen Klangrausch hingaben. Auch Christina von Eynerns Beitrag „Herzliebster Jesu“ von Michael Radulescu, streng seriell komponiert, faszinierte durch spröde Herbheit. Die Besucher waren von der Musik ebenso angetan wie von den Pausen mit Snacks und Getränken. Peter und Christel Hagenberg: „Das ist unsere erste Orgelnacht. Wir genießen sie sehr.“ Um Mitternacht geleitete „Der Mond ist aufgegangen“, vom künstlerischen Leiter Wolfgang Kläsener gespielt, in die dunkle Nacht.