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Olaf Faustmann stellt im Wuppertaler Kunstraum Eckart aus

Kultur : Zerschnittene Bilder ergeben neues Ganzes

Faustmann zeigt serielle Fotografien, entstanden mit 36er-Filmen. Er zerschneidet die Negative und setzt sie in geänderter Reihenfolge zu einem neuen Gesamtbild zusammen.

Olaf Faustmann ist am Niederrhein aufgewachsen. Vielleicht spielt daher die Weite und spezielle Sicht auf den Horizont eine wichtige Rolle in seinen Fotografien, die momentan im Kunstraum Eckart zu sehen sind. „Panorama ´85“ ist der Titel. Die Ausstellung zeigt analoge Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dieser Zeit. „Zur Fotografie bin ich über die Kunst gekommen. Das Dokumentarische hat mich gereizt. Hier ist zu sehen, was daraus in meinem Kopf entstanden ist“, erzählt Faustmann.

Ein Blick auf das Bildmotiv der Einladung zur Ausstellung verdeutlicht es. Es ist ein Selbstporträt, in Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt. Dabei entsteht eine Kreisbewegung. Obwohl alle Teile zusammenpassen, betrachtet ein auf einem Stuhl sitzender Mann eine Rolle Klebeband. Diese steht auf dem Kopf, denn der Boden befindet sich im oberen Teil des Bildes, das ist das Entscheidende.

Perspektive
gedreht und verzerrt

Faustmann zeigt serielle Fotografien, entstanden mit 36er-Filmen. Er zerschneidet die Negative und setzt sie in geänderter Reihenfolge zu einem neuen Gesamtbild zusammen. Dabei variiert er die Perspektive. Sie erscheint oft gedreht und durch die neue Anordnung der Einzelbilder entsteht eine Bilderfolge, die aus realen Einzelstücken formal zusammenpasst und doch so nicht sein kann.

„Neue Horizonte“ zeigt eine nach unten gekrümmte Landschaft, über die an dem tiefsten Punkt in der Mitte ein Tiefflieger hinwegfliegt – oben und gleichzeitig am niedrigsten Punkt der Szenerie. Seine Aufnahmen bilden einen Teil seiner Auseinandersetzung mit der Konzeptkunst der 70er und 80er Jahre und deren Umgang mit Fotografie, Jan Dibbets, David Hockney oder John Hillard sind Künstler, die ihn beeinflussten. Auch in „Die Badewanne“ wird die Perspektive verzerrt: Das Wasser scheint von beiden Seiten in die Wanne zu laufen, der höchste Punkt in der Mitte. Dort sitzt Schauspieler Johnny Weissmüller, Tarzan-Darsteller, Schwimmer und Olympiasieger. Ein See wie gespiegelt an beiden Seiten. Faustmann: „Was ist die Wahrheit? Wo befindet sich nun der See, rechts oder links?“ Durch die Wahl der Perspektive scheint eine Figur in die Landschaft zu beißen oder daran zu riechen, eine Wohnung aufgenommen und am Ende der Bilderanordnung so gedreht, dass der Boden oben ist und doch ist die Neuanordnung wieder stimmig. 

Eine leichte Drehung der Kamera lässt einen Spaziergänger fasst ins Meer purzeln. Kein schneller Schnappschuss mit dem Handy, der, wenn er nicht gefällt, gelöscht wird. Genaue Überlegungen und Reflektionen führten zu den Aufnahmen und so zu kippenden, hängenden und oft weit in die Horizontale reichenden Bildreihen.

Olaf Faustmann studierte Fotografie an der FH-Dortmund und ist als freischaffender Fotograf und Künstler tätig. Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember im Kunstraum Eckart, Simonstraße 27, zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag ab 15 Uhr. Terminvereinbarung per Mail an o-faustmann@postro.de oder unter Telefon 0179/1910320.