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Ömer Temizel: Von Istanbul nach Sonnborn

Ömer Temizel: Von Istanbul nach Sonnborn

Der Opernsänger tritt in der Börse auf und verleiht einem Tanzabend eine türkische Note.

Wuppertal. Seine fünf Geschwister seien fast alle Mathematiker, erzählt Ömer Temizel. Er habe sich als Einziger der Musik zugewandt. Die Begabung zeigte sich früh: Nach drei Jahren auf der Oberschule mit Schwerpunkt Musik wurde Temizel als einer von zehn Schülern aus der gesamten Türkei auf eine Musik-Spezialschule nach Istanbul geschickt — damals ganz klassisch mit Geige und Klavier. „Eigentlich wollte ich eine akademische Karriere als Geiger machen, aber dann haben sie mich zum Konservatorium geschubst.“

Den Lehrern fiel Temizels hervorragende Stimme auf. Schon während seines Gesangsstudiums erhielt er erste Engagements an der Staatsoper Istanbul: „Bei uns wurden die Leute aufgebaut, weil wir die Leute brauchten.“ Das klassische Musikwesen befand sich damals in der Türkei noch im Aufbau. Um seinen Horizont zu erweitern, ging der Tenor nach Italien. „Da habe ich gemerkt, dass ich etwas für das mitteleuropäische Repertoire tun muss.“

Ömer Temizel, Opernsänger

Er bildete sich in München weiter und besuchte Meisterkurse. Bald hatte Temizel feste Engagements im Opernchor — erst zwei Jahre in Bielefeld, dann für elf Jahre am renommierten Gärtnerplatz-Theater in München. Seit elf Jahren singt er an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, wohnt aber in Sonnborn. Neben italienischen Opern und deutschen Liedern vergaß Temizel nie seine Heimat: „Ich wollte türkische Komponisten hier bekannt machen.“

Ihn fasziniert etwa die Sammlung alter türkischer Volkslieder, die Achmed Adnan Saygun anlegte. Deshalb nahm er 1993 eine CD mit Liedern zeitgenössischer türkischer Komponisten beim Label Coriolan auf.

Türkische Lieder und Gedichte präsentiert der 56-Jährige auch bei „Moon Song“ von und mit dem Tänzer Mark Sieczkarek. „Maria-Teresa Amarante, die Managerin der Companie, wohnte hier gegenüber und nahm bei mir Gesangsunterricht“, erzählt er. „Deshalb fragte sie mich, ob ich mitsingen würde.“ Jetzt sitzt Temizel die ganze Aufführung lang mit auf der Bühne, singt, improvisiert und liest türkische Gedichte seines Lieblingsautoren Nazim Hikmet, während Sieczkarek und die koreanische Tänzerin Jeong Lee tanzen. Nach einer längeren Pause ist das Stück am Dienstagabend (24. Mai) wieder in der Börse zu sehen.

Zusätzlich tritt Temizel regelmäßig in Konzerten auf und unterrichtet an der Musikschule. Denn davon ist er überzeugt: „Es gibt keinen anderen Beruf, der so viel Freude macht.“