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Freie Szene: Nothilfefonds der Stadt für freie Kulturszene

Freie Szene : Nothilfefonds der Stadt für freie Kulturszene

Freie Kunstschaffende sind in der Coronavirus-Krise besonders gefährdet. Sie organisieren sich und haben ein Positionspapier formuliert.

Die Liste umfasst acht Punkte, beginnt mit Konventionalstrafen aus nicht erfüllten Gastspielverträgen und endet mit Kranken- und Rentenversicherungsbeiträgen. „Es geht um die Existenz von vielen Menschen“, fasst Johannes Schmidt zusammen. Der Projektmanager bei der Utopiastadt GmbH hat eine neue Aufgabe. Er koordiniert die aktuellen Anliegen und Nöte freier Kulturschaffender in Wuppertal durch die Coronavirus-Krise.

Kulturschaffende sind durch sie in eine teilweise dramatische Schieflage geraten. Nun organisiert man sich, um einerseits Wege zu finanzieller Hilfe zu erschließen und andererseits das kulturelle Angebot aufrechtzuerhalten. Ein erstes Positionspapier wurde vergangene Woche entworfen und der Stadt übergeben. Damit rennen die Kulturschaffenden dort offene Türen ein.

Donnerstag vor einer Woche fand im Mirker Bahnhof, dem Zentrum von Utopiastadt, eine Krisensitzung statt. So wie an vielen anderen Orten auch. „Wir mussten Konzerte absagen und uns mit den Konsequenzen beschäftigen“, erinnert Schmidt. Themen, die derzeit viele beschäftigen, für die andere vielleicht schon Lösungen gefunden hatten. Die Idee kam auf, sich zusammenzutun, einander zu helfen, durch Solidarität stärker zu werden.

Kontakte wurden genutzt, Treffen organisiert. Dabei versuchten die Beteiligten, die „große Verwirrung bei allen Beteiligten“ zu kanalisieren, Details zur finanziellen Lage zu sammeln und eine Informationsplattform aufzubauen. Darüber hinaus trug man erste Ideen für ein Kulturleben in Coronaviruszeiten zusammen.

Schmidt erklärt: „Dabei geht es darum, zu beweisen, welchen Wert die freie Kulturszene hat und wie nötig sie für Wuppertal ist.“ Heraus kam ein Papier, das 28 bekannte Personen, Einzelkünstler wie Vertreter von Einrichtungen oder Netzwerken, unterzeichneten.

Informationen auf der
Homepage des Kulturbüros

Von Anfang an stand man mit Kulturbüroleiterin Bettina Paust in Kontakt. Die wiederum mit Kulturdezernent Matthias Nocke die Lage besprach. Der begrüßt das Papier als Arbeitsgrundlage, versichert, sich der „äußerst prekären Situation aller freien Kulturschaffenden bewusst“ zu sein.

In einem ersten Schritt habe man überlegt, wie mit gestellten Förderanträgen für Projekte umzugehen sei. Auf der Homepage des Kulturbüros wird nun erklärt, wie mit verschobenen und ersatzlos abgesagten Projekten umgegangen wird.

Darüber hinaus aber, so Paust, gehe es um das akute und größte Problem: das (fehlende) Geld. Obwohl die Stadt bekanntlich haushaltstechnisch wenig Spielraum hat, bekräftigt Nocke, dass die akute finanzielle Soforthilfe deutlich weitergehen müsse. „Deshalb bin ich aktuell in der internen Abstimmung über die Einrichtung eines Nothilfefonds für die freie Kulturszene in Wuppertal“, schreibt er auf der Internetseite des Kulturbüros. Er hofft auf konkrete Ergebnisse in dieser Woche. Ansonsten bleibt der Stadt nur der Hinweis auf die angekündigten Hilfsmaßnahmen durch Land und Bund.

Die Bundesregierung hat am Donnerstag angekündigt, 40 Milliarden Euro für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen zur Verfügung zu stellen. Der Deutsche Kulturrat empfiehlt die unbürokratische Abwicklung im Kultur- und Medienbereich über die Verwertungsgesellschaften (VG Wort, VG Bild-Kunst, Gema, GVL), schlägt eine Erhöhung des Bundeszuschusses zur Künstlersozialversicherung von 20 auf 50 Prozent vor.

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sagte am Freitag fünf Millionen Euro Soforthilfe für freischaffende, professionelle Künstler zu, die durch die Absage von Engagements in finanzielle Engpässe geraten“. Sie erhielten eine existenzsichernde Einmalzahlung von bis zu 2000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müsse. Zu beantragen über ein einfaches Formular bei der Bezirksregierung.

Die Krise als Chance nutzen wollen die Wuppertaler Kulturschaffenden, indem sie Kulturangebote im medialen Raum machen wollen, als „Livestreaming- und weitere Onlineformate“, heißt es im Positionspapier. Dabei soll auch die Mitarbeit und -hilfe der Stadt als „essentieller Baustein in der zu konstruierenden Infrastruktur“ einfließen.

Nocke teilt diese Auffassung, verweist auf ein angekündigtes Gespräch des Oberbürgermeisters, das um Aktivitäten im medialen Raum gehe und selbstredend die Kultur einschließe.