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Nikolaus stapft und Santa swingt

Nikolaus stapft und Santa swingt

Sax for Fun, das Saxophonorchester, spielt Vielfältiges zum Advent, Claus Wilcke liest Gedichte.

Wuppertal. „Macht hoch die Tür“ — getragen beginnt die „Advents-Fantasie“ bei Sax for Fun. Doch der zweite Abschnitt des Medleys mit dem sonst meist elegischen „Maria durch ein Dornwald ging“ kommt schon ziemlich swingend daher. „O Bethlehem, du kleine Stadt“ klingt dann wie unmittelbar aus einem Mantel- und Degen-Film entsprungen.

Die stilistische Vielfalt bei Sax for Fun verblüfft immer wieder — gerade bei einem Orchester, das ausschließlich aus Saxophonspielern (plus Pauke, Schlagzeug und Vibraphon) besteht. Orchesterleiter Thomas Voigt hat für die rund 1000 Besucher der beiden Konzerte am Samstag und Sonntag ein hochgradig unterhaltsames Musikprogramm ausgewählt und arrangiert.

Von innig bis swingend, von festlich bis rockig sind alle Spielarten vertreten, der Vortrag ist bis auf kleine Patzer tadellos. Auch Weihnachten ist längst ein globales Thema mit Christmas-Swing aus den USA oder dem feierlichen englischen „Hark, the herald angel sings“. Der „Christmas Mix“ wird spontan zum stummen Ratespiel, wie viele Lieder darin bloß verborgen sind. Die 26 jüngsten Spieler, die als Kinderorchester Concertino auftreten, lassen die Immanuelskirche im Big-Band-Sound erbeben. Dazu bietet der 14-jährige Lukas Fußangel, Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“, ein beachtenswertes Solo.

Eine ebenso große Wandlungsfähigkeit wie das Orchester zeigt der Wahl-Wuppertaler Claus Wilcke, der nach jeder musikalischen Darbietung Geschichten und Gedichte zur Weihnacht vorliest. „Ich kann meine Stimmbänder nutzen wie ein Geiger seine Stradivari“, hat er im Gespräch gesagt. Tatsächlich klingen in seiner wandlungsfähigen Diktion Klassiker wie Theodor Storms „Knecht Ruprecht“ und Eichendorffs „Weihnachten“ wieder frisch.

Als er von Hanns Dieter Hüsch die anekdotische Betrachtung „Der Baum“ vorträgt, lässt er die kleine Blautanne gar spitzig hamburgern und den Baumverkäufer rau berlinern. Der Schauspieler bietet jedoch nicht nur Nettes und Traditionelles an, sondern setzt mit Hubert Wolfs „Tröst mir mein Gemüte“ Widerhaken ins allzu Gemütlich-Besinnliche: Kritik am grassierenden Leistungswahn und einem Weihnachten als Konsumfest.

Gut drei Stunden dauert das mit großem Beifall bedachte Programm, das die Besucher mit einem beschwingt-wohligen Adventsgefühl entlässt.