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Neues Programm: Literatur hat viele Seiten

Neues Programm: Literatur hat viele Seiten

Das Literaturhaus Wuppertal geht auf Spurensuche – mit Lesungen und Kooperationen.

Wuppertal. Was Rainer Maria Rilke, Christiane Hegel (die Schwester des berühmten Philosophen) und Felix Mendelssohn-Bartholdy gemeinsam haben? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten allerhand. Was sie derzeit verbindet, ist Wuppertal. Das Literaturhaus bringt den Dichter, die Hauslehrerin und den Komponisten zusammen - zunächst nur auf einem Stück Papier. Nun soll das Programm, das frisch in Druck gegangen ist, mit Leben, wissenschaftlich fundierten Anekdoten und neuen Einsichten gefüllt werden.

Dabei geht es beileibe nicht nur um Künstler, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. "Wir haben uns wieder umgesehen in der aktuellen Literaturszene", sagt Anne Linsel als Vorsitzende des Vereins. Judith Kuckart, die schon mehrfach im Literaturhaus gelesen hat, ist deshalb ein gern gehörter Gast: Am Dienstag, 12.Mai, stellt die Autorin ihren neuen Roman vor. Was "Die Verdächtige" alles erlebt, verrät sie um 19.30 Uhr im Literaturhaus an der Friedrich-Engels-Allee 83.

Noch bevor Kuckarts Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte für Spannung sorgen soll, gibt "Hegels Schwester" Rätsel auf: Alexandra Birkert folgt den Spuren von Christiane Hegel. Die Stuttgarter Germanistin präsentiert ihre Biographie am 29. April. Spätestens dann dürfte klar werden, dass die jüngere Schwester von Georg Wilhelm Friedrich Hegel bis heute faszinierend ist: Birkert porträtiert eine außergewöhnliche Frau, die als unverheiratete Hauslehrerin viele Geistesgrößen der Zeit kannte und sich nach einer Reihe von Zusammenbrüchen 1832 das Leben nahm.

Der Blick zurück macht für Linsel allerdings nur Sinn, wenn auch nach vorne geschaut wird. Und so lebt auch das neue Programm von bewährten Beziehungen. "Wir setzen auf Kooperation", betont Linsel. "Das finde ich sehr wichtig." Vor allem deshalb, weil die Literaturszene in Wuppertal keine Orts- und Spartengrenzen kennt. Den Beweis gibt es am 17.Juni, wenn die Reihe "Lyrik vor Ort" zusammen mit der Bergischen Uni fortgesetzt wird. Die Leipziger Autorin Angela Krauss liest um 20 Uhr in Peter Kowalds "Ort" an der Luisenstraße 116.

Im Gegenzug gibt sich das Literaturhaus musikalisch. Zumindest theoretisch. Denn Eva Märtson (Hannover) kennt sich aus - im Leben von Wilhelmine Schröder-Devrient. Schon Richard Wagner sang ein Loblied auf ihre "ganz unnachahmliche Harmonie". An die Qualitäten der Sängerin erinnert Märtson am 26. Juni um 19.30 Uhr. Ihr Vortrag ist - wen wundert’s - eine Kooperation mit dem Richard Wagner Verband.

Mindestens genauso bewegend wird es am 10. Mai: Zusammen mit der Bergischen Volkshochschule lädt der Verein zu einem literarischen Stadtspaziergang ein. Der 140. Geburtstag von Else Lasker-Schüler wird von 14 bis 16.15 Uhr gefeiert. Elke Brychta und Anna-Maria Reinhold starten ihren Rundgang an der Stadthalle auf dem Johannisberg - dort, wo 1912 eine Lesung mit der Elberfelder Dichterin stattfand. Fast 100 Jahre später wird ihr Bekenntnis wieder Schritt für Schritt aktuell: "Ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde Stadt".