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Neues Buch von Wuppertaler Autor Matthias Buth: Der Himmel über Rösrath

Neuerscheinung : „Der Himmel über Rösrath“

Auch im neuen Buch sind Kindheit und Jugend Ausgangspunkt eines Kapitels, das sich von dort auf Spurensuche begibt und Gedanken über Weltkriegsgeschehen und Geschichtsverarbeitung in seiner Schulzeit entwickelt.

„Der Himmel über Rösrath“ ist weit und der gleiche wie der über Wuppertal oder der über Polen. Und weil dem so ist, finden Stadt und Land trotz lokaler Verortung im Rheinisch-Bergischen Kreis auch in Matthias Buths neuestem Buch, das besagten Titel trägt, ausgiebig Platz und Raum. Ansonsten erinnert der Titel nicht grundlos an Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“, der bekanntlich zwei Engel auftreten ließ, um der Menschheit neuen Mut und Lebensfreude zu geben. Schreibt Torsten Voss im Nachwort des 210 Seiten zählenden Buches. Womit das Werk erneut in Wuppertal „landet“: Der Germanist lehrt an der Bergischen Universität Wuppertal, Heimatstadt des Wahl-Rösrathers Buth.

Matthias Buth wurde 1951 in Wuppertal geboren, wuchs im weitestgehend von Zerstörung verschonten Zooviertel auf. Er hat auch heute noch eine hohe Affinität zu Elberfeld, sieht hier den Ursprung seines großen Interesses an der Politik. Eines der vielen Themen, die den belesenen Rechtsanwalt, der in Köln Rechtswissenschaften studierte und 1985 über Militärstrafrecht der DDR promovierte, umtreiben, die er in verschiedenen Formen zu Papier bringt.

Auch im neuen Buch sind Kindheit und Jugend Ausgangspunkt eines Kapitels, das sich von dort (für die fragende Tochter) auf Spurensuche begibt und Gedanken über Weltkriegsgeschehen und Geschichtsverarbeitung in seiner Schulzeit entwickelt, für die Ostpreußen und Schlesien einfach nur unendlich fern und fremd waren. Um im Heute zu landen, wo ihm  dank Europa längst Polen faktisch und gedanklich geöffnet worden ist, sodass er feststellen kann: „Unsere polnischen Nachbarn sind nicht unerreichbar fern, sondern nahe Verwandte von Deutschland.“ Dazwischen bietet Buth Exkurse in die Geschichte des Gymnasiums Aue oder, ausgehend von der Kaiser-Wilhelm-Allee, an der er aufwuchs, zur Bedeutung der Staßennamen für die Menschen, die dort leben. Er erinnert auch an den Widerständler Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der von 1939 bis 1943 in Barmen lebte.

Das alles bietet viel und genaue Kenntnis der Wuppertaler Heimat. Und es mäandert, verbindet persönliche Erlebnisse mit lokalem und Weltgeschehen, das faktische Reisen des Wehrdienstsoldaten in den frühen 1970er-Jahren in die Kaserne in Osterode mit dem gedanklichen Reisen, das durch seinen damaligen Kompaniechef Oberleutnant von Wichelhaus ausgelöst wird. So taucht Buth im Kapitel „Wuppertal - Wichelhaus - Schlesien“ in die Geschichte der Familie von Wichelhaus ein, die mit dem Kauf einer Bank 1791 in Elberfeld begann und einen Nachfahren später nach Schlesien und in den Krieg führte, dessen Ende auch das östliche  Abenteuer mit den dort erworbenen fünf Schlössern jäh beschloss. Dabei fragt Buth an einer Stelle offen, woher sein Interesse am östlichen Europa rührt, (leider) ohne sich und damit dem Leser die Antwort zu geben.

Schließlich beschäftigt sich Buth in einem dritten (Elberfelder) Kapitel  mit dem Titel „Hebräische  Balladen“, die 1920   Berlin bei Paul Cassirer verlegt wurden, mit dem poetischen   Hebräertum von Else Lasker-Schüler. Die Elberfelder Tochter und weltbekannte Künstlerin starb 1945 im Jerusalemer Exil.

Als Schreibgattung wählt der Autor diesmal  wieder  den literarischen Essay. Diese „Symbiose aus Aufsatz, Erörterung und Dichtung“,   so Torsten Voß, erlaube ihm, sich „Gegenständen, Menschen, Erfahrungen, Themen und Stimmen“ anzunähern und ihnen so gerecht zu werden. Nicht zu vergessen Buths ausgewählte und angenehme  Sprache, die die zwischendurch aufkommende Verirrung des Lesenden im Weltgeschehen elegant auffängt. Ihn weiter trägt und Fragen nach Zusammenhang und Ziel  vergessen macht, ihn sich vielmehr blind dem Lesestoff und seinem Fluss anvertrauen lässt. Und daran erinnert, dass der Autor selbst die Sprache liebt. mws

„Der Himmel über Rösrath“ ist im Pop Verlag erschienen, 210 Seiten, 19,50 Euro.